politischen Lebens. Ausgänge tun, soweit Pflicht und Haushalt sienicht erforderten, oder erholungsweise spazieren gehen, hieltsie für Zeitverschwendung. Nur wenn Wunsch und Gesundheitihres Gatten und ihrer Kinder dies erforderten, machte sie,— dann aber auch jedesmal — Ausnahmen. Vom frühen Morgenbis zum späten Abend war sie unermüdlich tätig. Wenn FriedrichWilhelm Webers schöner Denkspruch
Die Welt ist voll von Gottes Segen,
Greif nur danach, und er ist Dein,
Du brauchst nur Hand und Fuß zu regen,
Du brauchst nur fromm und gut zu sein
auf eine schöne Menschenseele paßte, dann war es auf CatharinaBachem. Jeden Morgen besuchte sie, solange sie konnte, diehl. Messe in der nebenan liegenden Kirche St. Maria Himmelfahrt.Dann folgte sie dem alten christlichen Spruch: Bete und arbeiteund Arbeit macht das Leben süß. In einem Haushalt wie demihrigen, in welchem auch manche Dienstleistung für die Bedürf-nisse des eng verbundenen Druckerei- und Geschäftsbetriebesmitgeschafft werden mußten, gab es stets Arbeit in Hülleund Fülle.
Als Ludwig Windthorst, der große Zentrumsführer, in derKulturkampfszeit nach einer seiner weltgeschichtlichen Gürzenich-reden zur Mittagstafel ihr Tischgast war, und als eine derlustigen jungen Frauen — deren Gesellschaft bekanntermaßendie „kleine Exzellenz“ sehr liebte — sich scherzweise rühmte,sie lese jeden Tag fünf Zeitungen, erwiderte ihr Windthorst miternster Betonung: „Stopfen Sie lieber Strümpfe!“ Da leuchtetender Hausfrau Augen voll stiller Selbstbefriedigung und innererGenugtuung auf: tatsächlich war sie von ihrem Stopfei, vonNähkorb und Stricknadeln unzertrennlich.
Die „kleine Exzellenz“ war im Laufe der Zeit mehrmalsihr Wohngast. Bei einem dieser Aufenthalte vergaß er bei derAbreise sein schwarzseidenes Hauskäppchen, das sich erst beimlange nachher erfolgenden „Hausputz“ irgendwo vorfand. FrauBachem hat es später dem kleinen „Windthorst-Museum derKölnischen Volkszeitung“ überwiesen, wo es jetzt, mit seinemArbeitstisch-Kruzifix und seinem Schreibgerät usw. vereinigt,aufbewahrt wird. — Auch mit andern hervorragenden Zentrums-politikern blieb sie in persönlicher Berührung. August Reichens-