ein wahres Schmerzenskind. Als neue Kraftspenderin erfordertediese mächtige Maschine die Aufstellung einer weiteren zwölf-pferdigen stehenden Dampflokomobile englischer Herkunft. DenRaum für beide Maschinen mußte zum Schmerze der Bachem-schen Jugend der Garten mit Hinterhaus hergeben, der im Winkelder beiden Druckereiflügel lag und nun einem Oberlichtsaal mitUnterkellerung geopfert wurde.
Innere Umänderungen in den oberen Geschossen ermöglichtendie Vermehrung des Setzer- und Buchbindereipersonals, so daßdie Kopfzahl der Beschäftigten auf über 150 stieg.
Das Aufblühen von Handel und Gewerbe blieb nicht ohnegünstigen Einfluß auf die damals noch mit zwei Setzern undzwei Lehrlingen arbeitende Akzidenzabteilung. Josef Bachemsah dies bald ein und versuchte durch Einstellung von Leuten,die im bessern Akzidenzsatz Erfahrung hatten, die Abteilungzu heben, was ihm auch in erheblichem Maße gelang. Unterdiesen Leuten zeichnete sich besonders der Sohn des Ber-liner Buchdruckereibesitzers Köpsel durch geschickte Satzzu-sammenstellungen und geschmackvolle Farbenwahl aus. Mancheder damals hergestellten Drucksachen machten in Fachkreisenberechtigtes Aufsehen. |Keine dieser Arbeiten ging aus demHause, ohne daß Josef Bachem mit kunstsinnigem Geschmackund feinem ästhetischem Gefühl Satzanordnung und Farbenwahlgeprüft und mit beraten hatte. In den Jahren 1875 bis 1880hoben sich die Leistungen der Akzidenzabteilung derart, daßJosef Bachem es wagte, die bedeutende Kunst- und Gewerbe-Ausstellung zu Düsseldorf 1880 zu beschicken. Die Anerkennungfür die Bemühungen der letzten fünf Jahre blieb nicht aus.Den Erzeugnissen der Bachemschen Offizin wurde als dritthöchsteAuszeichnung für graphische Gewerbe die bronzene Staats-medaille zuerkannt. Zu ihrer Würdigung muß berücksichtigtwerden, daß diese Anerkennung allein den ausgestellten Kunst-und Akzidenzdruckarbeiten galt im Gegensatz zu den mit denbeiden höheren Auszeichnungen bedachten Firmen, deren gewerb-liche und technische Gesamtleistungen gewertet worden waren.
Den Kampf mit dem Satzfehlerkobold führte Jakob Halter,ein sehr befähigter und tüchtiger Mann, der auch die erstestilistische Feilung der Vorlagen besorgte, mit vorbildlicherGewissenhaftigkeit und Pflichttreue mehr als 50 Jahre wirkte undals Goldener Geschäftsjubilar in hohem Alter ausschied.