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Vierundzwanzigstes Razniel.
Wolf Herr von Stubenberg» Berater und FreundErzherzog Karls II.
Hatte Hans von Stubenberg einst mit Geringschätzung vomSchreiberdienst in fürstlichen Kanzleien gesprochen, sein Bruder Wolfhatte andere Anschauungen. Er wußte den Wert des Hofdienstes zuwürdigen und hatte die Erziehung seiner Söhne derart geleitet, daßsie für Dienste in oberen und obersten Hofchargen geeignet waren.Mehr als der älteste Sohn Hans, dem sein Vater die Geschäftsführungin dem reichen Güterbesitz übergeben hatte, eine Stellung, die er würde-voll ausfüllte, eignete sich der zweite Sohn Wolf für den Hofdienft:von stattlicher Erscheinung und kräftigem Körperbau, dessen er nochwenige Tage vor seinem Tode gedenkt, befaß er eine harmonische Aus-bildung und die höfische Gewandtheit dazu, die ihn an den HöfenMaximilians II. und seiner Brüder beliebt machte. Er war vielerSprachen kundig: außer seiner Muttersprache noch des Lateinischen,Italienischen und Böhmischen und mochte auch mit dem Spanischeneinigermaßen vertraut fein. Seine letzte Ausbildung hatte er am Hofe deskünstsinnigen Maximilian II. erhalten, in dessen Hofstaat er erst als„Fürschneider", dann als Truchseß wirkte, bis der Vater ihn heimrief.Aber Maximilian blieb ihm auch ferner gewogen; er begehrt von ihmund dem Bruder, als er ins Steirerland kam, Jäger, Hunde und Netzezur Jagd, er sendet ihn als Vertreter zu den Hochzeiten befreundeterKavaliere, er läßt durch ihn das übliche hochzeitliche Ehrengeschenk— einen Festbecher — überreichen und ladet ihn ein, seiner am 15. Juni
1562 stattfindenden Krönung zum König von Böhmen beizuwohnen.fi
Auch Hans genießt das volle Vertrauen des Königs. Am 1. August
1563 fordert er ihn auf, für die Zeit der Abwesenheit des Landes-hauptmannes Hans von Schärffenberg die Verwaltung der Landes-hauptmannfchaft zu übernehmen, fi Mittlerweile waren beide in denStand der Ehe getreten: zuerst der jüngere Wolf, der sich mit SusannaPögl, Freiin von Reisenstein, einer jungen Witwe nach Wolf Dietrichvon Hartitsch,fi dann Hans, der sich mit Benigna von Schärfenberg fivermählte. Benigna ist die Stammutter des Stubenbergischen Hauses,soweit es heute noch besteht. Hans war ein durch besondere Herzens-güte ausgezeichneter Herr, der den ihm zufallenden Teil an der mütter-
fi Alles nach den Korrespondenzen im Stubenberg-Archiv, 9/23 u. a.fi Ebenda, 11/70.
fi Die Hochzeit wurde am 9. September 1557 gefeiert. Erwähnt in einemBrief, Stubenberg-Archiv, Schub. 17. Berschreibung an Susanna vom 19. Septem-ber, steierm. Landesarchiv. Original. Die Heiratsabrede war am 12. August1557 getroffen worden. Stubenberg-Archiv, 3/6.
fi Heiratsabrede vom 6. Jänner 1558. Ebenda, 3/6. Heiratsvertrag vom27. November 1558. Orig.-Perg., steierm. Landesarchiv. Nach älteren Genealogensoll Hans in erster Ehe mit einer Trautmannsdorf vermählt gewesen sein, dieAkten weisen hierüber nichts aus.