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Geschichte des altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg : mit 27 Abbildungen und einer Stammtafel
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Man fragt, was Wolfgang bewogen haben kann, auf einen solchenleoninischen Vertrag einzugehen. Die Urkunde sagt nur: „aus Ursachen,die ihn bewogen haben". Es muß das in der Zeit seiner ersten Ehegewesen sein, die für ihn, seinem eigenen Geständnis nach, keineglückliche und auch mit männlicher Nachkommenschaft nicht gesegnetwar. Dazu kamen die Zerwürfnisse mit seinen Neffen/) den Söhnenseines Bruders Thomas, die wir sowohl aus eigenen GeständnissenWolsgangs als auch aus seinen Urkunden kennen, und endlich stander auch mit der Wurmberger Linie und seinem Vetter Friedrich, demSohne Ursulas, nicht zum besten/) So mag er um gewisser Vorteilewillen, über die wir nicht unterrichtet sind, aus die Pläne des Kaiserseingegangen sein. Als er sich dann in zweiter Ehe mit Helene vonStubenberg, Ursulas Tochter, seiner Cousine, vermählte und aus dieserEhe männliche Sprossen hervorgingen, zerfiel die letzte Vereinbarungdes Hauses Stubenberg so gut wie jene, die einstens mit Ursula ab-geschlossen worden war, und wir werden kaum fehlgehen, wenn wirannehmen, daß dieses gentilizische Moment bei der zweiten HeiratWolfgangs mit eine Rolle gespielt hat. Wie wenig er in seinen späterenTagen dem Kaiser traut, sieht man aus den Ermahnungen, die erseinen Söhnen mit auf die Lebensreise gibt/) Es hat, heißt es da,der Kaiser einen Schuldbrief von meinem Bruder Assem, der ist zwarlängst gelöst: aber der Kaiser will ihn nicht herausgeben, hat uns da-gegen einen „Tödbrief" gegeben. „Hütet", sagt er den Söhnen, „ihn garwohl, so lieb als euch euer Gut ist", d. h. mit andern Worten: sonstmüßt ihr die Schuld ein zweites Mal zahlen.

Bei alledem ist Wolfgang dem Landesfürsten treu ergeben. „Dient",sagt er, „Eurem Fürsten, handelt nicht wider ihn, so lieb Euch Gutund Leben ist. Handelt wider ihn in keinerlei Maß, sondern bedenkt,wie es den: Baumkircher, Greissenecker und anderen ergangen ist, dieentweder ein böses Ende genommen oder deren Familien arm gewordensind. Sollte ich sterben, ehe Ihr volljährig seit: nehmt den König" -gemeint ist hier wohl Maximilian — „zum Gerhab". Wolf erfreutesich denn auch eines großen Ansehens bei Maximilian. Vor ihm, dannvor dem Bischof Matthias von Seckau und Ruprecht von Windischgrätzlegt der König am 11. November 1493 sein Gelöbnis als Landessürstab/) Dem König stand er in dessen oftmaligen schweren Geldnötennach seinem Vermögen bei. Schon die Landesumlagen waren da sehr

tz Wie schlecht Wolf mit seinen nächsten Verwandten stand, sieht manaus Nr. 7 der Ermahnungen an seine Söhne: sie möchten Herzog Albrecht vonBayern-München zum Vormund nehmen, „wan ös mit entern erbfreundte»gar nit versehen seit — (denn an diesen Erbverwandten habt ihr nicht denmindesten Schutz). Ich, sagt er, habe viele Briefe, die gegen sie lauten. Fallssie in deren Hände kämen, seid ihr verloren .. ."

2) Ebenda, 8. Man bedenke, daß Wolf die harten Worte gegen seinenVetter Friedrich sagt, da er schon dessen Schwager ist.

s) Gedruckt von A. v. LUsch in, Studien zur Geschichte des steirischenAdels im 16. Jahrhundert. Mitt. d. Hist. Vereines s. Steierm., XXXIII, 51 ff.4) Beiträge, VI, 24.