gegen den er die Hilfe des Papstes in Anspruch zu nehmen nicht unter-lassen und der sich noch ans seiner Todesfahrt als trefflicher Heer-führer erwiesen hatte. Seine österreichischen Lande hatte er den bayrischenHerzogen, Steiermark seiner Mutter Gertrud vermacht. Man mag sichdenken, wie man hier zu Lande die Nachricht von dem Ende derbeiden hochgesinnten Jünglinge aufnahm. Man wird einen Nachklangder herrschenden Stimmung noch in dem Werke unseres Rennchronistenfinden: Im Untergang König Ottokars wider seinen glücklicheren Habs-burgischen Gegner' sieht er das Walten der ewigen Gerechtigkeit, dennOttokar ist am Tode Konradins und Friedrichs nicht unschuldig. KönigOttokar hielt freilich mit der tragischen Szene vom 29. Oktober 1263die nächsten Gefahren für beseitigt und so konnte er die verhaftetenSteirer in ihre Heimat entlassen. Man wird ja auch die ihnen mit-gegebene Verwarnung begreiflich finden, denn noch ist die Anwärtern:aus ihr elterliches Erbe am Leben: Gertrud und ebenso deren TochterAgnes, die mit Herzog Ulrich von Kärnten vermählt ist. Gegen beideglaubte Ottokar alle weiteren Rücksichten beiseitesetzen zu können. Nach-dem Gertrud, wie es scheint, wiederholt in ihren Einkünften geschädigt undaus dem Judenburger Besitz nach Windisch-Feistritz mit einem Verlustdes vierten Teiles ihres Einkommens abgeschoben worden war, wurdesie in der Zeit, da Ulrich von Kärnten gestorben war, ganz aus demLande verbannt. Sie ging nach Meißen zu ihren Verwandten. Nungalt es aber auch, ihre Tochter Agnes unschädlich zu machen. Damit sienicht Gemahlin eines Fürsten würde und diesem ihre Ansprüche auf ,
Osterreich und Steier abtreten möchte, wurde sie an den Grafen vonHeunburg vermählt und eine Mesalliance zur Erniedrigung des Baben-bergischen Geschlechtes — tu ctsprssstousur Asusrts — zu stände ge-bracht, ein Akt, auf den die in Judenburg am 22. Oktober 1279 aus-gestellte Urkunde einiges Licht wirft. U Gertruds jüngere Tochter ansihrer dritten Ehe mit Roman von Halics, die an den ungarischenOberschatzmeister Joachim Pektari vermählt war, schien für Ottokarungefährlich zu sein.
Diese Unterdrückung der letzten Sprossen der einheimischen Dynastiekonnte aber nicht ohne starke Zuckungen erfolgen. Zu Gunsten Gertrudsregte sich ihr Anhang in Steiermark und die Hinrichtung des Mären-bergers, der schon vordem ihr Vertrauensmann gewesen, hängt zweifel-los mit diesen Dingen zusammen. Es herrschte im Lande eine Gärung,die sich auf die Dauer nicht übersehen ließ, und man wird sich dennauch nicht wundern, daß bald nach der Königswahl Rudolfs von Habs-burg Fäden gesponnen wurden, die vom Steirerlande an den Hos desdeutschen Königs gingen. Am 19. September 1276 traten im StifteNeun bei Graz Landherren aus Steiermark und Kärnten zusammenund gelobten feierlich, als getreue Lehensmannen des Reiches zu KönigRudolf zu stehen. Sie wollen stehen, alle für einen und einer für
9 Böhmer-Redlich, Regesten, 1133; Tangl,a.a.O. S.176. Dopsch,Arch. f. österr. Gesch., 87, S. 101.