Entlassungsdekret des Rats, das Holl seiner Selbstbiogrvphie wörtlicheinfügt, läßt jedoch seiner dreißigjährigen Amtstätigkeit volle Anerken-nung widerfahren. Obwohl schon 58 Jahre alt, wollte nun Holl, wieschon früher einmal, nach dem Tode seines Vaters, seiner Vaterstadtden Rücken kehren, um andernorts sein Brod zu suchen, und fordertedeshalb sein bei der Stadtkasse verzinslich angelegtes, sauer erspartesKapital von 12000 fl. zurück. Es wurde ihm jedoch unter nichtigenVorwänden vorenthalten; kaum den sechsten Teil konnte er schließlichnoch zurückerhalten, seine weitergehenden Ansprüche trat er gegen eineeinmalige Abfindung von 2000 sl. an Georg Amman ab. Er arbeitetejetzt wieder als Privatmaurermeister ^), aber der Verdienst mochte beiden unruhigen Kriegskünsten wohl nur ein kümmerlicher sein. Erstdie Ankunft des siegreichen Schwedenkönigs Gustav Adolf in Augs-burg (April 1632), die eine vollständige Restauration der protestan-tischen Bürgerschaft im Gefolge hatte, brachte auch Holl in seinfrüheres Amt zurück. Aber zu einem ruhigen Genuß desselben warenjetzt die immer drohender sich gestaltenden Zeiten nicht angetan:„neben dem Bauwerk", berichtet Holl, „bin ich von dem schwedischenIngenieur zu allerhand mühsamen Fortifikationen stark angetriebenworden, daß ich fast weder Tag noch Nacht in Ruhe gewesen."
Die Besetzung der Stadt durch die Schweden dauerte bis Früh-jahr 1635. Am 6. September 1634 war bei Nördlingen die schwedischeArmee durch die Kaiserlichen bis zur Vernichtung geschlagen worden.Gleich nach der Schlacht gingen diese an die Einschließung Augsburgs.Nahezu sechs Monate dauerte die Blockade; die Hungersnot der Be-lagerten wuchs allmählich zu grauenerregender Höhe. Man aß Katzen,Hunde, Natten, zuletzt gesottene Leichenteile. Dazu wütete die Pest,so daß, als endlich am 30. März die Uebergabe erfolgte, die Ein-wohnerzahl von 40000 auf 18000 zurückgegangen war. Nun verlorHoll sein Amt zum zweitenmal; dazu wurde er „dermaßen mit starker
0 Holl schreibt in seiner Selbstbiographic tS. 88), er habe nach seiner Be-nrlanbnng über zwei Jahre sein Handwerk als Privatmanrcrmeister ausgeübt. Da seinEntlassnngsdckret erst vom 14. Januar 1631 datiert ist, und sein Wiedereintritt inden Stadtdienst schon im nächsten Jahr stattfand, so liegt hier ein Irrtum desSchreibers vor, wenn wir nicht annehmen wollen, daß er seine privaten Arbeitennoch vor Erlaß der Entlassung angetreten hat. Da er erst am 16. Mai 1633wieder mit einem Vierteljahrsgchalt von 37^2 fl- und einer Zulage von 120., fl.in den städtischen Amtsbüchern aufgeführt wird, so wäre es auch denkbar, daß ererst in diesem Jahr wieder in sein altes Amt zurückgekehrt ist.