So finden sich auch in der Crailsheimschen Geschichte zu dieser ZeitBeispiele von Luxus und Verschwendung, wie z. B. die Hochzeitsfeier-lichkeiten Christophs von Crailsheim mit Katharina von Aufseßzeigen. (S. IV. Abschnitt.)
In einer Ritterversammlung zu Speyer 1609 suchte man nochalle möglichen inneren Gebrechen, wie Luxus, Trinken, Unzucht abzu-schaffen, auch verband sich die Reichsritterschaft solidarisch gegen Unge-rechtigkeiten; allein eine dauernde Abhilfe wurde nicht geschaffen.
Durch das üppige Leben, welches sich allseits mit der Zeit ein-bürgerte, mußte der Sinn und die Tüchtigkeit zu ritterlichen Uebungenimmer mehr schwinden.
Auf die Erziehung der Jugend wurde bei den Edelleuten übrigensimmer noch ein Hauptaugenmerk gerichtet. Es war Gewohnheit, dieJugend durch Hofmeister zu Hause unterrichten zu lassen; nach Erlan-gung einer entsprechenden Elementarbildung schickte man die jungen Leutemit geeigneten Hofmeistern einige Jahre auf Reisen, besonders nachFrankreich, den Niederlanden, England, Spanien und Italien, wo sieneben dem Hofleben auch wissenschaftliche Studien trieben. Auch wurdensie auf deutsche und ausländische Universitäten, so besonders nach Alt-dorf, Straßburg, Jena, Ingolstadt, Utrecht, Lehden und Padua, wo wirdie jungen Herren von Crailsheim antreffen, geschickt. So langediese Erziehungs- und Bildungsweise ernst geleitet wurde, zeitigte sieschöne Früchte. Mit der Zeit ging dieselbe aber immer mehr in Ver-fluchung über, wozu die rohen Kriegszeiten hauptsächlich beitrugen. Dieaus der Heimat zum Studium entsandten jungen Leute dachten an alleseher, als an wissenschaftliche Beschäftigung und trugen nur zur Ver-rohung bei, wie wir an mehreren Beispielen auch in der Crailsheim-schen Geschichte beweisen können. Wir wollen nur an den Sohn JohannUlrichs von Crailsheim, Wilhelm Friedrich erinnern, dessenlasterhaftes Leben Jeden mit Ekel erfüllen muß, und an dessen BruderJohann Albrecht von Crailsheim, wie auch an die Söhne Han-nibal Friedrichs von Crailsheim, Karl Sigmund, CrafftHannibal und Gottlieb Ernst Wilhelm. Karl Sigmund erschoßin Straßburg, wo er auf der Universität sich aufhielt, einen Kaufmanns-sohn und wurde schließlich auf dem Rotenhof bei Rügland im Streitevon einem jungen Herrn von Leonrod erschossen. Sein Bruder CrafftHannibal gebürdete sich wie ein „wildes Vieh", wie die Professorenzu Jena sich ausdrückten, und erschoß ohne weiteres wegen geringer Ver-