— 29 —
idee der Reichsritterschaft zur Erhaltung der Selbständigkeit ihres Standesund Ausnützung ihrer Macht. Sie sind bei allen Zusammenkünften,welche von Anfang an den engeren Zusammenschluß der Reichsritter-schaft erstrebten, vertreten, wie auch, wenn es sich darum handelte, helfendmit der Autorität ihres Standes einzugreifen. So erscheinen sie alsHelfer des Markgrafen und Kurfürsten Friedrich von Brandenburg, alsderselbe mit dem Herzog Ludwig dem Bärtigen wegen Eifersucht undvorgefallener Beleidigungen in Streit geriet. Als die auf Seite desHerzogs Ludwig stehende bayerische Ritterschaft 1419 Absagebriefe an denKurfürsten nach Ansbach schickte, wurde dieser Fehdebrief von der umAnsbach gesessenen Ritterschaft, welche ihrem Markgrafen beistund, nichtminder heftig erwidert. Hiebei finden wir den Namen der Herrenvon Crailsheim (v. Lang 99).
Wie schon erwähnt, fand das Bündniswesen der Reichsritterschaftin Franken und Schwaben einen guten Rückhalt an den deutschen Kaisern.Eine der wichtigsten Urkunden, welche dies beweisen und in welcher dieReichsritterschaft ausdrücklich als zu Recht bestehend anerkannt wird,ist das Schreiben Kaiser Sigismunds vom 13. September 1422. Indemselben erklärt der Kaiser, daß er sehr besorgt sei, daß der Adel bestehe,nicht zerrüttet, zerstört oder bedrängt werde, sondern vielmehr in seinenRechten glücklich und selig bleibe. Da er gehört habe, daß die Ritter-schaft in deutschen Landen viel Zwang erleide und beinahe von ihrenRechten verdrängt werde, gebe er der gedachten Ritterschaft volle Machtund Gewalt,' sich überall in deutschen Landen mit einander zu verbinden,wie sie dieses am besten dünken wird. (Burgemeister, eoä. äixl. kWsstr. 30.)
Dieses kaiserliche Schreiben war wohl auch der direkte Anlaß, daßdie fränkische Ritterschaft sich am Freitag vor Andreastag auf 10 Jahreunter einander mit der Stadt Schweinfurt zu Schweinfurt verband.Als Grund hiezu sind in der Urkunde die vielen und schweren Neue-rungen genannt, gegen welche man sich sicher stellen müsse. An Ursachen,auf der Hut sein zu müssen, fehlte es der Ritterschaft damals sicher nicht,worunter namentlich die immer mehr um sich greifenden Uebergriffe derLandesfürsten, besonders des Bischofs von Würzburg, im Sinne derLandesherrlichkeit zu befürchten waren.
Ganz ähnlich, aber noch deutlicher sprach der Kaiser Sigismund ineinem Schreiben vom 14. April 1429 den Wunsch nach einer Vereinigungder Reichsritterschaft aus. (Lünig, ?art. spoc. Eout. II, Abs. III, 84.)Dieses Schreiben hatte den Erfolg, daß am Montag vor St Margarethen-