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er in unserer dermaligen Verfassung größtenteils das geworden zu sein,was unter den Wohnungen der heutigen Römer das Kolosseum ist, einnoch verehrtes, doch entbehrliches Trümmerstück aus der Vorzeit." —Entbehrlich freilich ist dieses Trümmerstück aus der Vorzeit, wenn dieNachkommen edler Geschlechter, von falschem Ahnenstolz geleitet, dengrößten Wert ihres Adels darin suchen, von berühmten Vorfahren abzu-stammen, ohne daran zu denken, daß man einem Stande als solchemim Staate besondere Borzüge einzuräumen nur dann befugt ist, wenner auch ein würdiges Glied desselben bildet und bestrebt ist, in Wissen,edler Gesinnung und sonstigen Vorzügen anderen Ständen durch seinBeispiel voranzuleuchten.
Tapferkeit war in den ältesten Zeiten für den Adel das vorzüg-lichste Mittel, sich auszuzeichnen; die Veränderung des Kriegswesens wiesihn aber darauf hin, sich später auch durch andere Tugenden, Recht-schaffenheit, edle Gesinnung und Bildung hervorzutun, und heutzutagevermag er eine bevorzugte Stellung nur zu behaupten, indem er durchBestätigung wahrhaft adeliger Gesinnung den Mitmenschen und demStaate dient.
Wie viele Familien und Familenangehörige gibt es noch heut-zutage, die trotz der Zeiten Drang und Stürme nicht zur richtigen Er-kenntnis und Würdigung ihrer ihnen vom Geschicke seit Jahrhundertenauferlegten Bestimmung gekommen sind und dadurch nicht nur sich undihrem Namen, sondern dem Adelstand im allgemeinen Schande undSchaden bereiten, und die Auffassung zu rechtfertigen scheinen, der Adelsei ein entbehrlicher Stand im Staate!
Wenn diese Vorhalte der Beherzigung aller Adeligen wert sind,so betrachte ich es für meine besondere Aufgabe, die Mitglieder meinerFamilie, der stifts- und turnicrmäßigen uralten Familie der ehemals zurreichsfreien Ritterschaft Frankens gehörigen Neichsfreiherren von Crails-heim, dringend zu ermahnen und ihnen das Vorbild edler Vorfahrenvor Augen zu stellen.
Die Familie der Freiherren von Crailsheim zählt fürwahr Männerunter ihre Ahnen, die durch Wissen, Tapferkeit, Tugend, Edelmut,Frömmigkeit und Sparsamkeit sich glänzend ausgezeichnet haben, die alsmusterhafte Beispiele einem jedem vor Augen geführt werden können.Natürlich kann ich als unparteiischer Geschichtsschreiber, was ich zu seinbestrebt bin, nicht auch Verrohung, Bosheit und Lasterhaftigkeit einigerMitglieder verschweigen, welche sich sogar bis zum Mord und Bruder-