29» Von weltlicher Obrigkeit.
weder Achten noch urtheilen, weder halten noch lassen; welchesdoch seyn müßte, wo er Gewalt hatte, über sie zu gebieten, undGesetz zu legen- sondern über Leib, Gut, und Ehre, hat er wohlsolches zu thun, denn solches ist unter seiner Gewalt.
Das alles hat auch David lange zuvor mit einem kurtzenfeinen Spruch verfasset, da er spricht Ps. 1i5, 16: Den Him-mel hat er des Himmels Herrn geben, aber die Erde hat erden Menschenkindern geben, das ist, was auf Erden ist, und zumzeitlichen, irdischen Reich gehöret, da hat ein Mensch wohl Ge-walt von Gott; aber was zum Himmel und zum ewigen Reichgehöret, das ist allein unter dem himmlischen Herrn. Auch hatdas Mose nicht vergessen, da er spricht 1. Mos. 1, 26: Gottsprach- Laßt uns Menschen machen, die über die Thiere auf Er-den, über die Fische im Wasser, über die Vögel in der Luft re-gieren; da ist nur äusserlich Regiment den Menschen zugeeignet.Und Summa ist das die Mernung, wie St. Petrus spricht, Upg.5, 29- Man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen;damit er je auch klarlich der weltlichen Gewalt ein Ziel steckt.Denn wo man alles müßte halten, was weltliche Gewalt wollte,so wäre es umsonst gesagt: Man muß Gott mehr gehorchen,denn den Menschen.
Wenn nun dein Fürst oder weltlicher Herr dir gebeut, mitdem Pabst zu halten, sonst oder so zu glauben, oder gebeut dir,Bücher von dir zu thun; sollt du also sagen - Es gebührt Lucifernicht neben Gott zu sitzen; Lieber Herr, ich bin euch schuldig zugehorchen mit Leib und Gut, gebietet mir nach eurer GewaltMaß, auf Erden, so will ich folgen. Heißt ihr aber mich glau-ben und Bücher von mir thun, so will ich nicht gehorchen, dennda seyd ibr ein Tyrann, und greifst zu hoch, gebietet, da ihr we-der Recht noch Macht habt w. Nimmt er dir drüber dein Gut,und strakt solchen Ungehorsam; selig bist du, und dancke Gott,daß du würdig bist, um göttliches Worts willen zu leiden. Laßihn nur toben den Narren, er wird seinen Richter wohl finden.Denn ich sage dir, wo du ihm nicht widersprichst, und gibst ihmRaum, daß er dir den Glauben, oder die Bücher nimmt, so hastdu, wahrlich, Gott verleugnet. Als, daß ich deß ein Exempelgebe. In Meisten, Bayern, und in der Marck, und andern Or-ten haben die Tyrannen ein Gebot lassen ausgehen, man solledie Neuen Testament in die Aemter hin und her überantworten.Hie sollen ihre Unterthanen also thun, nicht ein Blatlein, nichtein Buchstaben sollen sie überantworten, bey Verlust ihrer Selig-