Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
288
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2S8 Won Weltlicher Obrigkeit.

gustinus auch hat. Zum Glauben kann und soll man niemandzwingen. Dazu sehen die blinden elenden Leute nicht, wie gar

vergeblich und unmöglich Ding sie vornehmen. Denn wie hart

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sie gebieten, und wie fast sie toben, so können sie die Leute ja

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nicht weiter dringen, denn daß sie mit dem Munde und mit derHand ihnen folgen-, das Hertz mögen sie ja nicht zwingen, soll-ten sie sich zureissen. Denn wahr ist das Sprüchwort: Gedan-cken sind zollfrey: Was ists denn nun, daß sie die Leute wollen

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zwingen zu glauben im Hertzen, und sehen, daß unmöglich ist?

Treiben damit die schwachen Gewissen mit Gewalt, zu lügen, zuverleugnen und anders sagen, denn sie es im Hertzen halten, undbeladen sich selbst also mit greulichen fremden Sünden. Dennalle die Lügen und falsch Bekenntniß, die solch schwach Gewissenthun, gehen über den, den sie erzwinget. Es wäre ja viel leich-ter, ob gleich ihre Unterthanen irreten, daß sie sie schlecht irrenliessen, denn daß sie sie zur Lügen, und anders zu sagen dringen,denn sie im Hertzen haben; auch nicht recht ist, daß man Bösesmit Aergerm wehren will.

Aber willt du wissen, warum Gott verhangt, daß die welt-lichen Fürsten also greulich müssen anlauffen? Ich will dirs sa-gen: Gott hat sie in verkehrten Sinn geben, und wills einEnde mit ihnen machen, gleich wie mit den geistlichen Junckcrn.Denn meine ungnädige Herren, Pabst und Bischöffe, sollten ^Bischöffe seyn, und Gottes Wort predigen; das lassen sie, und -sind weltliche Fürsten worden, und regieren mit Gesetzen, die nurLeib und Gut betreffen? Fein haben sie es umgekehret: innerlichsollten sie regieren die Seelen durch Gottes Wort; so regieren sieauswendig Schlösser, Städte, Land und Leute, und martern dieSeelen mit unsäglicher Mörderey.

Also auch die weltlichen Herren, sollten Land und Leute re-gieren äusserlich; das lassen sie. Sie können nicht mehr dennschinden und schaben, einen Zoll auf den andern, eine Zinse überdie andere setzen; da einen Bären, hie einen Wolf auslassen, da-zu kein Recht, Treu, noch Wahrheit bey ihnen lassen gefundenwerden, und handeln, daß Räubern und Buben zu viel waren,und ihr weltlich Regiment ja so tief danieder liegt, als der geist-lichen Tyrannen Regiment. Darum verkehret Gott ihren Sinnauch, daß sie zufahren widersinnisch, und wollen geistlich überSeelen regieren, gleich wie jene wollen weltlich regieren, auf daßsie je getrost auf sich laden fremde Sünde, Gottes und allerMenschen Haß, bis sie zu scheitern gehen, mit Bischöffen, Pfaf-