Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
253
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Capitel 17. 253

gerne in einem Löffel c-rsauffcn und auf einen Bissen verschlingen.Antwort: Freylich keine Mcnschenkraft noch Witz. Aber hier ste-het ein Wörtlein, das thuts; droben sitzt einer, der gedenckt andiß Gebet, und spricht: Mein Christus hat einmal für sie gebe-ten, darum sollen sie behütet und erhalten werden. Das ist un-ser Trotz, dazu unser Schutz und Wehre, daß sie nicht müssen anuns thun, was sie gerne wollten, wenn sie gleich für Grimm undZorn bersten sollren, so lange bis sie sich müde an uns Hetzen undablausten, daß uns Gott hinwegrücket aus ihren Zahnen, und siezu gründe gehen.

16. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von

der Welt bin.

Das ists, darinnen unser Trost gar liegt, darum ers auchso oft wiederholet. Und trifft eben damit ihr Hertz und Ge-dancken. Als sollte er sagen-- Ihr fühlet und klaget, daß ihrmitten in der Welt bleiben müsset, die euch nicht leiden willund alles Unglück anlegt, daß ihr alle Stunden müsset in Gefahrund Sorge sitzen, das weiß ich wohl; aber laßt euch den Trostgenug seyn, daß sie euer nicht soll machtig werden. Denn ihrgehöret nicht ihr, sondern meinem Vater an; die Welt fahre da-hin, sie gehöret zum Teufel, ihrem Gott; ihr aber sollt gleichwolmitten in der Welt einen Schutz haben und bewahret seyn, daßihr kein Theil mit ihr habet, bis so lange Gott die Zeit ersiehet,und euch heraus hebt, daß ihr dem Unglück und Verderben ent-gehet, das über sie kommen muß.

17. Heilige sie in deiner Wahrheit.

So ist nun die Meynung dieses Gebets.- Ich sehe wohl,wie alle Welt nach grosser Heiligkeit ringet und laust, und jeder-mann ein sonderliches aufwirfet, daß er der Heiligste scheinet; aberdu, lieber Vater, wollest sie-bewahren und behüten vor solchemSchein und gleissender Heiligkeit, und sie rechtschaffen heilig machen.Denn das heißt heiligen in der Wahrheit, wie auch St. Paulusredet, Eph. 4, 24: in rechter, reiner, wahrhaftiger Heiligkeit.

Dein Wort ist die Wahrheit.

Siehe, da stehets: Willst du eigentlich kennen, was die recht-schaffene Heiligkeit sey, daß du sie von allen andern scheidenkönnest, so siehe nur nach dem Wort, und laß dich keinenSchein betrügen. Das ist der rechte Prüfestein; ja es ist selbstdasjenige, das allein rechte und wahrhaftige Heiligkeit macht.

18. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich

sie auch in die Welt.