Druckschrift 
10 (1828)
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189
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Capitel 15.

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er sie geliebct, und was er für sie gethan hat. Das heißt einegrosse, machtige Liebe, so ein Mensch dem andern in seiner Nothhundert oder tausend Gülden schcnckete, oder alle seine Schuldfür ihn bezahlet?; wie groß wäre aber das, so ein König oderFürst einem armen Bettler eine Grafschaft oder Fürstenthumschenckete, ja, sein eigen Königreich oder Land und Leute? Dawürde alle Welt singen und sagen von unerhörter Liebe. Nunist noch diß alles geringe Ding gegen dem, daß Christus seinenLeib und Leben für dich gibct, welches ist freylich die Höheste Liebe,so auf Erden ein Mensch dem andern erzeigen mag; denn mitGeld und Gut, ja, auch mit dem Leibe dienen, heißt auch gelie-bet. Aber keiner ist, der nicht noch lieber sein Geld und Gut,ja, sein Land und Leute dahin gebe, denn daß er sollte für einenandern sterben-, und ob crs thäte, so wäre es auch noch nichtsgegen dem, daß Gottes Sohn vom Himmel sich herab lasset unddahin trit an deine Statt, und für dich williglich sein Blut ver-geußt und stirbet, der du doch sein Feind und verdammter Menschgewesen bist. Das ist die Liebe, die da weit grösser und höherist, denn Himmel und Erden und alles, was man nennen mag.

Was kannst du oder willst du nun ihm dargegcn thun, obdu gleich auch dein Leib und Leben dahin für deinen Nächsten gi-best? Was ist das gegen seinen Leib und Leben? Wiewol er dochnicht so viel von dir fodcrt, ohne wenn es kömmt zu der höchstenNoth, daß du ihn durch deinen Tod könntest oder solltest vomTode retten. Sondern das fordert er allein, daß du also in dei-nem Leben dich erzeigest gegen den Nächsten, daß man deine Liebespüren und mercken könne. Das wollte ich gerne, spricht er, undhatte eben gnug daran, daß ihr doch euch unter einander, als dieihr alle unter einem Haupt und eines Leibes Glieder seyd, Treueund Hulde, Freundschaft, Dienst und Hülfe beweiset, und nichtunter einander Rotten und Spaltung anrichtet und die Liebe zu-trennet. Das ist mein Gebot gantz, so ich euch auffege und for-dere für so grosse, unaussprechliche Liebe, so ihr anders wollet,daß man euch für meine Jünger erkennen und halten soll. Denn,wer solches nicht thun will, der soll wissen, daß er kein Christ ist,ob er wol unter dem Namen der Christenheit hingehet; denn esist gewißlich der Glaube nicht da, wo nicht die Liebe, sondern dasWiderspiel sich erzeiget und folget. Und obwol die Wercke derLiebe nicht gerecht und selig machen, so sollen sie doch als Früchteund Wahrzeichen des Glaubens folgen.

Darum spricht er: Ihr seyd meine Freunde, so ihr thut,