160 Capitel 14.
lasse, sollet mich sehen und mit mir leben. Denn ich will baldnach meinem Tode wieder auferstehen, daß ihr mich, beyde, leib-lich (so ich euch erscheinen werde zum Zeugniß meiner Auferste-hung) und geistlich immerdar sehen werdet in meinem Regiment,und meine Kraft in euch und aller Welt empfinden und erfahren.Denn ich will nicht also hinweg gehen, daß ihr auch sollt meinesGesichts und Gegenwärtigkeit beraubt seyn; sondern ihr sollt michsehen, und mit mir leben, wie ich lebe.
Also haben wir die tröstliche Verheissunq denen Christen ge-geben, so da geschreckt werden durch den Tod und allerley Un-glück, daß sie können trotzen wider den Teufel und die Welt, undsagen: Wenn du mich tödtest, so tödtest du mich nicht, sondernhissest mir zum Leben; begräbst du mich, so reissest du mich ausder Asche und Staube gen Himmel. Und Summa: dein Zornund Toben ist eitel Gnade und Hülfe; denn du gibst mir nurUrsache und den Anfang, daß mich Christus zum Leben bringet;wie er hier spricht: Ich lebe, und ihr sollt leben.
Ja, (spricht Fleisch und Blut,) ich muß gleichwol den Kopfherhalten? Ja, das schadet dir nichts (spricht Christus); sie ha-ben mich auch gecreutziget, erwürget und ins Grab gelegt; aber,wie sie mich im Grabe und Tod gehalten haben, so sollen sieeuch auch darinnen halten. Denn es heißt und soll heissen: Wieich lebe, so sollt ihr auch leben; das soll mir weder Teufel nochTod wehren. Diese Worte muß ein Christ lernen fassen undseinen Christum also kennen in seinen tröstlichen Verheissungen,ob ihm der Tod den Stich beut mit seinem Spies, und der Teu-fel seinen Höllenrachen gegen ihm aufsperret, daß er nicht dafürerschrecke, sondern könne dem Teufel wieder den Trotz bieten durchden Glauben auf diese Worte: Weißt du auch, wie du den HerrnChristum auch gefressen hast und doch hast müssen wiedergeben,ja er dich wieder gefressen hat; also sollst du mich auch ungefres-sen lassen, weil ich in ihm bleibe und um seinetwillen lebe undleide. Ob man mich drüber aus der Welt jaget und unter dieErden scharret, das lasse ich geschehen; aber darum will ich nichtim Tode bleiben, sondern mit meinem Herrn Christo leben, wieich glaube und weiß, daß er lebt.
Solchen Trost und Trotz haben die Christen auf den HerrnChristum. Denn wir glauben, daß er vom Tode auferstandenist, und sitzet zur rechten Hank des Vaters, dadurch sie lernen sol-len den Tod aus den Augen setzen, und weit hinwegwerfen, unddafür nichts wissen noch dencken, denn eitel Leben: daß sie sollen