Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144

Capitel 14.

und Macht an uns thut? Wer kann denn sagen, daß wir sollengrössere thun?

Hier laß ich mir gefallen den gemeinen Verstand diesesSpruchs, wie es denn nicht kann anders sevn, daß es darumgrössere Wcrcke gethan heisst durch seine Christen, daß die Apostelund Christen weiter kommen mit ihren Werckcn, denn er kom-men ist, und mehr zu Christo bringen, denn er leiblich auf Erdengethan hat. Denn er hat nur einen kleinen Winckel vor sich ge-nommen, da er gepredigt und gewundert hat, dazu eine kleineZeit. Die Apostel aber und ihre Nachkommen sind durch diegantze Welt kommen, und hat gewahret, so lange die Christenheitgestanden ist: also, daß es Christus nur persönlich angefangenhat, aber durch die Apostel und folgenden Prediger hat müssenimmer weiter ausgebreitet werden bis an den Jüngsten Tag. Al-so ists wahr, daß die Christen grössere Wercke, das ist, mehr undweiter thun, denn Christus selbst; doch sind es einerley und ebendieselbigen Wercke. Denn damit, daß er spricht: Wer an michglaubet, der wird grössere Wercke thun, verneinet er nicht, daßsolche Wercke durch seine Kraft müssen geschehen, und aus ihm,als dem Haupte, herfliessen; sondern zeiget selbst, beyde, hier, daer spricht:Wer an mich glaubet", und in folgenden Worten:Denn ich gehe zum Vater; irem V. 14: Was ihr bitten werdet,das will ich thun :c., daß solche nicht geschehen, denn allein vondenen, so durch den Glauben an ihm hangen, und er seine Kraftin ihnen wircket und durch sie beweiset.

Was sind eS aber nun für Wcrcke der Christen, dadurchsolches geschieht? Denn man siehet ja nichts sonderliches, das siethun vor andern, sonderlich jetzt, weil die Wundcrwercke aufge-höret haben, welche doch noch die geringsten Wcrcke sind, als dienur leiblich und an wenig Leuten geschehen. Aber laß uns dierechten, grossen Wercke sehen, davon Christus sagt, so sie vonGott haben, und damit alles ausrichten, welche auch noch immer-dar gehen und täglich geschehen müssen, weil die Welt stehen joll.

Denn zum ersten haben sie das Evangelium, Taufe undSacrament, dadurch sie die Leute bekehren, dem Teufel die See-len abschlagen, aus der Hölle und Tode reisten, und gen Himmelbringen; item, dadurch sie die armen, betrübten, angefochtenenGewissen (vom Teufel und sonst,) trösten, starcken und erhalten;item, daß sie können alle Menschen in allerley Standen lehren,unterrichten, rathen, wie sie darinne Christlich und selig lebensollen w.