66 Borrede auf das Neue Testament w.
3, 16., der hat alle Welt gesegnet durchs Evangelium. Dennwo Christus nicht ist, da ist noch der Fluch, der über Adam undseine Kinder siel, da er gesündiget hatte, daß sie allzumal derSünde, Tod und Hölle los seyn, und gerecht, lebendig und seligbleiben ewiglich. Wie Christus selbst saget, Zoh. 11, 26: Weran mich glaubet, der wird nimmermehr sterben.
8. Item, so verhieß ers David, 2. Sam. 7, 12., da ersagte: Ich will erwecken deinen Saamen nach dir, der soll mei-nem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines Kö-nigreichs bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater seyn und ersoll mein Sohn seyn w. Das ist das Reich Christi, davon dasEvangelium lautet, ein ewiges Reich, ein Reich des Lebens, derSeligkeit und Gerechtigkeit, darein kommen aus dem Gefängnißder Sünde und des Todes alle, die da glauben.
9. Solcher Verheifsungen des Cvangelii sind vielmehr auchin den andern Propheten. Als Micha S, 2: Und du BethlehemEphrata, die du klein bist gegen den Tausenden in Juda, aus dirsoll mir kommen, der in Israel Herr sey. Item Hosea am 1Z,14: Ich will sie erlösen aus der Hölle und vom Tode erret-ten. Tod, ich will dir ein Gift seyn; Hölle ich will dir eine Pe-stilentz seyn.
10. So ist nun das Evangelium nichts anders, denn einePredigt von Christo, Gottes und Davids Sohn, wahrem Gottund Menschen, der für uns mit seinem Sterben und Auferstehenaller Menschen Sünde, Tod und Hölle überwunden hat, die anihn glauben.- daß also das Evangelium eine kurtze und langeRede mag seyn, und einer kurtz, der andere lang beschreiben mag.Der beschreibets lang, der viel Wercke und Worte Christi beschrei-bet ; der beschreibts aber kurtz, der nicht von Christi Wercken, son-dern kürtzlich anzeiget, wie er durch sein Sterben und AuferstehenSünde, Tod und Hölle überwunden habe denen, die an ihn glau-ben, wie St. Petrus und Paulus.
11. Darum siehe nun darauf, daß du nicht aus Christo ei-nen Mosen machest, noch aus dem Evangelio ein Gesetz oderLehrbuch, wie bisher geschehen ist und etliche Vorreden, auch St.Hieronymi, sich hören lassen. Denn das Evangelium fordert ei-gentlich nicht unser Werck, daß wir damit fromm und selig wer-den, ja es verdammet solche Wercke: sondern es fordert den Glau-ben an Christum, daß derselbige für uns Sünde, Tod und Hölleüberwunden hat, und also uns nicht durch unser Werck, sonderndurch sein eigen Werck, Sterben und Leiden fromm, lebendig und