6 Vorrede auf das Alte Testament.
wie schlecht es immer sich ansehen lasset, es seyn eitel Worte,Wercke, Gerichte und Geschichte der hohen göttlichen Majestätund Weisheit. Denn dieß ist die Schrift, die alle Weisen undKlugen zu Narren macht und allein den Kleinen und Albernenoffen stehet, wie Christus sagt, Matth. 11, 25. Darum kaß dei-nen Dünckel und Fühlen fahren, und halte von dieser Schrift,als von dem allerhöchsten, edelsten Heiligthum, als von der aller-reichsten Fundgrube, die nimmermehr gnug ausgegründet werdenmag, auf daß du die göttliche Weisheit finden mögest, welche !Gott hier so albern und schlecht vorleget, daß er allen Hochmuthdampffe. Hier wirst du die Windeln und die Krippen finden, daChristus inne liegt, dahin auch der Engel die Hirten weiset, Luc.2, II. Schlecht und geringe Windeln sind es, aber theuer istder Schatz, Christus, der darinnen liegt.
4. So wisse nun, daß dieß Buch ein Gesetzbuch ist, das dalehret, was man thun und lassen soll, und- daneben anzeigetExempel und Geschichte, wie solche Gesetze gehalten oder übertre-ten sind, gleichwie das Neue Testament ein Evangelium oderGnadenbuch ist, und lehret, wo mans nehmen soll, daß das Ge-setz erfüllet werde. Aber gleichwie im Neuen Testament nebender Gnadenlehce auch viel andre Lehren gegeben werden, die daGesetz und Gebot sind, das Fleisch zu regieren, sintemal in diesemLeben der Geist nicht vollkommen, noch eitel Gnade regierenkann: also sind auch im Alten Testament neben den Gesetzen et-liche Verheissungcn und Gnadensprüche, damit die heiligen Vaterund Propheten unter dem Gesetz im Glauben Christi, wie wir,erhalten sind. Doch, wie des Neuen Testaments eigentliche Haupt-lehre ist, Gnade und Friede durch Vergebung der Sünden inChristo verkündigen, also ist des Alten Testaments eigentlicheHauptlehre, Gesetz lehren und Sünde anzeigen und Gutes fordern.Solches wisse im Alten' Testament zu warten.
5. Und daß wir zuerst auf Mosis Bücher kommen, derlehrt in seinem ersten Buch, wie alle Creaturen geschaffen sind,und (das seines Schreibens meiste Ursache ist) wo die Sündeund der Tod herkommen sey, nemlich durch Adams Fall, auchdes Teufels Bosheit, 1. Mos. 3, 4. Aber bald darauf, ehe, dannMosis Gesetz kömmt, lehret er, woher die Hülfe wieder kommensollte, die Sünde und den Tod zu vertreiben, nemlich nicht durchGesetz noch eigen Werck, weil noch kein Gesetz war, sondern durchdes Weibes Saamen, Christum, Adam ( l.Mos. 3, 15.) undAbraham (1. Mos. 12, 3.) verheißen: auf daß also der Glaube