Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
Seite
252
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2Z2 Capitel 6.

damit du dich berühmest des Glaubens halben, in der Schwach,heit des Nachsien, und wolltest du also seiner Aergerniß gar nichtacht nehmen. Aber doch wird das nicht ein gemeiner Sinn seynvon allen Aergernissen, sondern allein von denen, die in denGesetzen der Menschen seyn.

6. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mitallerley Gutes dem, der ihn unterrichtet.

Der Apostel halt den Galatern hier eine andere si'tliche Lehrevor, und ist die, daß sie denen, so das Wort Gottes lehren undpredigen der Gemeinde, und säen ihnen die geistlichen Dinge, dieleibliche Aufentbaltung und Nahrung geben sollen. Denn, wieChristus saget, Luc. lo, 7: Ein Arbeiter ist würdig seiner Be-lohnung. Wie er denn das weiter ausstreichet, 1. Timoth. S,18, und 1. Corinth. 9, 9.

Nun besiehe die Worte recht: dem, der Unterricht gibt, an-dern Leuten im Wort, ist man verpflichtet alles Gutes; die aberdas Wort nicht handeln, auch nicht predigen noch lehren, die ge-het die Lehre Pauli nichts an. Das erste und groste und nütz-lichste Werck in der Christlichen Gemeinde ist das Predigtamt,welches der Herr Petro befahl mit grossem Fleiß, und das so sehrvon allen will haben und fordert, Joh. 21, 16, 17; aber jetzt istnichts Verächters und verworfners. Es sind so viel Aemter derJuristen, Nichter, Ossicialen, so viel Gesang, so viel Ceremoniender Pfassen und geistlichen Rotte.» Aber die Stimme des Schrey-enden in der Wüsten, Es. 40, 3. Joh. 1, 23, ist gantz verdun-ckelt und heischer, so gar fast, daß auch der Kirchen schier nichtsso ungleich ist, als die jetzige Kirche ist.

Er thut auch nichts vergebens hinzu im Wort. Denn esseyn ihrer viel, und viel gewesen, und werden noch werden, diegroß und viel werden fabuliren und schwatzen von ihrem Haupt,oder Menschen Tand und Wahn anstatt des Wortes den Men-schen vorlegen, wie wir denn jetzt sehen leider allzuviel. Aber dasWort, das ist das Evangelium Christi, höret man nirgends klin-gen noch hallen, oder, wo es gleich hallet, so ist es doch verfäl-schet also mit Menschen Glossen, daß es sagen muß: MeineStimme ist heischer worden, daß auch, wenns gleich gepredigetwird, nicht mag gehöret werden. Darum sollen die auch nichthoffen, daß ihnen angehörig sey das Mitheilen der Güter.

Nachmals mercke weiter. Es spricht der Apostel: der theilemit. Aber jetzt unsere geistliche Junckherren wollen sich nicht las-sen begnügen an der Mittheilung, wiewol sie das Wort dem