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9 (1828)
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250 Capitel <Z.

daß die unehrlichen Glieder mit den ehrlichen bedeckt werden. Al-so gehöret meine Weisheit den Unweisen zu, meine Mächtigkeitden Unterdrückten, mein Reichthum den Armen und Nothdürfti-gen, also auch meine Gerechtigkeit den Sündern. Denn das isteine Form und Gestalt Gottes, welcher wir uns äußern müssen,auf daß die Form eines Knechts in uns werde, Phil. 2, g. 7,Denn wir müssen mit denselbigen zwischen Gott und den Men-schen Mittler seyn für die, die solche Dinge nicht haben, eben alswerden sie mit andern Kleidern angezogen: ja auch vor den Men-schen wider die Ehrendiebe, Lasterer, Schmaher und Schander,oder auch die, so Gewalt üben, müssen wir ihnen eben milderLiebe dienen. Denn also hat auch Christus für uns gegen seinenBater gehandelt. Das ist der Backofen in Sion, die süsse Barm-hertzigkeit des Vaters, der uns ihm so mit einer wunderlichenKraft verbinden hat wollen. Von diesem Zeichen wird ein Christerkannt vor allen andern, daß Gott also an uns hat ein auser-wahltes Geschlecht, ein königlich Priesterthum, ein heilig Volck,ein Volck des Eigenthums, l. Pet. 2, 9.

4. Ein jeglicher aber prüfe sein selbst Werck, und alsdenn wirder an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einemandern.

Das ist der eiteln Ehre Eigenschaft und Natur, daß sie sichallein denen vergleichet, die ihr zu geringe und nicht gleich seyn,aus welcher Vergleichung alsbald folget Verdruß und Verachtungdes schlechtem und niedrigern, und die geschwollene Blase derHvffart ihrer Güter halben. Denn die eilele Ehre erfreuet sichnicht also fast darum, daß sie etwas hat oder ist, als fast sie sicherfreuet, daß andere Leute nichts haben und nichts sind. Alsoberühmet sich der Gleisner nicht so fast seiner Heiligkeit, als faster einen Wohlgefallen hat in dem, daß ihm andere Menschennickt gleich waren in der Heiligkeit, und zuvoran der arme ver-lassene Zöllner, Luc. 18, 11. Denn er wollte nicht, daß andereLeute besser und frömmer würden, oder aufs wenigste ihm gleich,derohalben seine Ehre auswendig in einem andern schlechter undweniger war.

Und das ist der böse Groll und böse Wille, der allewege,wie ein stetiger Gefährte und Gesell, der eiteln Ehre folget, nem-lich sich erfreuen ob anderer Menschen Schaden und Widerwär-tigkeit, und Traurigkeit tragen, wenns andern wohl gehet. Dasverbeut hier der Apostel, daß die Ehre keiner in einem andern