Capitel S. 2L3
aber ist das Volck, die Weisheit des Fleisches, der alte Mensch,q das Leben dieser Welt. Daher ist das Reich Gottes, Matth. 13,33, gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und vermenge»ihn unter drey Scheffel Mehl, bis daß er durch und durch vcr-^ z säuerte. Das Weib, das ist die Kirche oder die Weisheit Got-tes, nimmt den Sauerteig (das ist das Wort des Evangelii) undverbirgt den, oder vermenget den. Denn das Wort des Glau-bens lebet und grünet allein innwendig in dem Gewissen, nichtin den äusserlichen Wercken des Gesetzes. In meinem Hertzcn(spricht David, Ps. 119, 11.) hab ich verborgen deine Rede,denn das Wort Gottes machet gerecht im Geist vor Gott.
9. Ich versehe mich zu euch in dem Herrn, ihr werdet nichtsanders gesinnet seyn.
Wie fein temperiret und lencket Paulus seine Rede, damitnicht gesehen werde, als setze er sein Vertrauen irgend in einenMenschen. Ich versehe mich zu euch in dem Herrn, spricht er;nicht in euch, sondern in dem Herrn.
Das Wörtlsin aber: gesinnet seyn, das als oft in demNeuen Testament hin und wieder stehet, wird zuzeiten für Weis-heit und Klugheit genommen, als, zu den Rom. 8, K: „DieWeisheit des Fleisches ist der Tod," soll und zuletzt fast gemeinseyn.
„Nichts anders," kann nicht wohl gezogen werden auf dasnäheste, das zuvoran stünde, sondern auf die Summa und volleMeynung der gantzen Epistel, daß also das die Meynung sey:Ihr habt von mir gelcrnet das Evangelium; ich hoffe, ihr wer-det über das nichts neues annehmen, auch nichts anders gesinnetseyn, ihr werdet auch nicht verwandelt werden.
10. Wer euch aber irre machet, der wird sein Urtheil tragen,er sey, wer er wolle.
Wer euch aber irre machet, das ist, wer euch durch seineLehre von dem rechten Glauben abwendig machet und aus demStande, darinnen ihr stundet, treibet.
Aber wie, wird denn nicht entschuldigen der gottliche Eifer,und die gute (wie sie sagen,) Meynung, oder die Unwissenheit,oder, daß er ein Discipel der Apostel und groß gewesen ist? Nein,sagt Paulus, er sey, wie groß, heilig und gewaltig er sey, so hater nicht eine geringe Sünde gethan; er wird sein Urtheil darumtragen. Und das ist aber eine Weise der Schrift zu reden, we-der die gemeine Zunge pfleget: tragen seine Bürde, tragen seinUrtheil, seine Ungerechtigkeit, durch welches angezeiget wird derje-