Capitel 4.
211
Also kommet an des Gesetzes Statt die Gnade, an MosisStatt Christus, aus welchem Manne, wenn sie nun begäbet istdurch eine andere Fruchtbarkeit, spricht sie denn das aus, Esaia4g, 21. 22: Wer hat mir die geboren? Ich, die ich unfruchtbarwar, und nicht gebar, ein gefangen Weib und weggeführt. Undwer hat mir die ernähret? Ich, die ich verlassen war und garallein. Und wo sind die gewesen? Das sagt der Herr Gott:Siehe, ich werde aufheben meine Hand zu den Heyden, und zuden Völckern werde ich erhöhen mein Zeichen, und sie werdenherbringen deine Söhne auf ihren Armen, und deine Töchterwerden sie tragen auf ihren Schultern. Und das darum: Denndie Söhne der Kirchen werden gelehret, nicht durch den Buch-staben des Gesetzes, sondern aus dem Geist, als Joh. 6, 45. sa-get: Sie werden alle von Gott gelehret. Es. 54, 13. Denn woder Geist das Hertz nicht rübret, noch lehret, da lehret wol dasGesetz, und die Menge des Volcks gebieret, aber nichts anders,denn Sünder, wie nun genugsam gesagt ist, und wird allein dasWerck des Menschen daselbst vollbracht. Sie machen auch sol-chen, wie sie selbst sind, aber kein Theil ist gut. Sie werden abergut, ohne das Gesetz, durch die einige Gnade des Geistes.
So sagt nun der Apostel, daß unsere Mutter habe vielKinder, und wiewol sie verlassen ist, unfruchtbar, und eine Witt-we, ohne einen Mann, ohne Gesetz, ohne Kinder, die aus demGesetz gelehret und gemacht werden: darum sie so vielmehr fröh-lich soll seyn, und sich hervor brechen und vor Freuden schreyen,daß sie mit der Weise unfruchtbar ist und nicht gebieret, auchnicht schwanger sey, so doch derweilen die Kinder deS Gesetzesimmerzu abnehmen und weniger werden, und die Kinder derGnaden zunehmen und gemehret werden. Hieher ist auch fasttauglich und nütze die Figur, 1. Sam. 1, 4. 5, von Anna undPhennena, zuvor so der Gesang Anna wird auch dazu gethan,daß man auch spühren möchte, daß der Prophet aus demselbigenLoco seine Prophezeyung genommen habe. Bis daß die Unfrucht-bare, sagt sie, Eap. 2, 5., geboren hätte viel, und die viel Söhnehätte, ist geschwächt worden. Denn der Mann wird nicht gestär-cket in seiner Stärcke.
28. Wir aber, lieben Brüder, sind, Jsaac nach, der Berheis-sung Kinder.
Er appliciret da nun seine Allegorie. Wir sind nach Jsaac,das ist, wir sind Kinder der Freyen und der Frauen, wie Jsaac.Und als er nicht ist gewesen ein Sohn des Fleisches, sondern der
14*