Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
Seite
97
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Leichenpredigt über Luc. 7, 11 16. 37

Leben sey, so können sie noch weniger zufrieden seyn. Dennworauf wollen sie bauen? Wodurch wollen sie Vergebung derSünden hoffen, sintemal es ohnmöglich ist, daß sie um ihrerSünden willen nicht sollten ein böses Gewissen haben? Aber dieChristen haben eine gewisse Hoffnung, darum unmöglich ist, daßsie können fehlen. Sie wissen, wer an Christum Jesum glaubt,das ist, wer ihn für einen Heiland hält, seines Sterbens sichtröstet, und Vergebung der Sünden von ihm begehret, daß ergewiß Vergebung der Sünden habe, und Gott um seines einge-bornen Sohnes willen solchem Menschen nicht könne feind seyn.Denn Gottes Befehl ist lauter und klar, daß wir an JesumChristum glauben, ihn annehmen, und unser Vertrauen auf ihnsetzen sollen. Derohalben, ob gleich der Tod kommt und solchenMenschen, wie andere, Hinwegreisset, wissen doch die Christen,daß der Tod ihn nicht kann halten, sondern zu seiner Zeit amJüngsten Tage muß wiedergeben. Derohalben, obschon Fleischund Blut um des abgestorbenen Freundes willen sich bekümmert,so ist doch der Geist da, der siehet auf Gottes Wort und schleußt:Wohlan, habe ich dich hier auf Erden nicht mehr, so werden wirdoch dort wieder zusammen kommen. Christus wird der betrüb-ten Wittwe ihren Sohn wiedergeben. Darum soll es eine Maassemit dem Weinen und Trauren haben :c. Daß also der ChristenWeinen ein solches Weinen ist, da eine herrliche Hoffnung dar-bey ist, die endlich das Leid überwiegt, daß es verschwinden undzergehen muß. Darum liegt alle Macht daran, daß wir allediese Hoffnung gewiß fassen und vest in uns bilden, so werdenwir uns um unsere lieben Brüder und Freunde, die absterben,nicht so sehr bekümmern, und selbst desto getroster seyn, wenn wirauch hinnach müssen. Und zwar ist die Schuld niemand, dennunser eigen, wenn wir solche Hoffnung aus den Augen und Her-tzen lassen. Denn unser lieber Herr Jesus Christus hat alle seinThun mit seinen Christen dahin gestellet, daß sie solcher Hoffnunggenugsam vergewissert würden, und immerdar Ursach hätten, dar-an zu gedencken, und sich damit zu üben. Denn erstlich: Siehedeine Taufe an. Warum bist du getauft? Warum lassen anderesich taufen? Warum sollen wir gerne i-n aller Zucht und Ehrer-bietung dabey seyn, wenn man taufet? Ist es auch ein Ding,dadurch man Geld, Güter, Gewalt, oder anderes dergleichen be-kommen soll? Nein. Der heilige Apostel Paulus spricht also,Rom. 6, 3: Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Christum ge-taust sind, die sind in seinen Tod getauft. Das ist: Die Taufe