gg Predigt über Apvstelgesch. 8, 1 — 9.
Aber Paulus hat an dieser Warnung gnug, und giebt sich, undspricht mit Zittern und mit Zagen.-
Herr, was willst du, daß ich thun soll?
Woher das Zittern und Zagen komme, darf man nicht fra-gen; denn er wol gar verzweifelt und vor Leid sollte gestorbenseyn, wo der Herr Christus ihn nicht getröstet und aufgerichtethatte; denn der Herr sprach zu ihm:
Stehe auf und gehe in die Stadt, da wird man dirsagen, was du thun sollst.
Hier ist sonderlich zu mercken, ob gleich Gott vom Him-mel mit Paulo redet, so will er doch das Predigtamt nicht auf-heben, noch jemand ein sonderliches machen; sondern weiset ihnbin in die Stadt zum Predigtstuhl oder Pfarrherrn, da soll erhören und lernen, was zu lernen sey. Denn unser Herr Gottwill niemand ein sonders anrichten, sondern giebt seine Taufeund Evangelium der gantzen Welt, einem sowohl, als dem an-dern. Da soll man lernen, wie man soll selig werden und nichtdarauf warten, ob uns Gott etwas neues machen, oder einenEngel vom Himmel schicken wolle. Denn er will, daß wir hin-gehen und das Evangelium von denen hören sollen, die es pre-digen. Da soll man ihn finden und sonst nirgends. Die Rot-tengeister lassen das Predigtamt anstehen, setzen sich dieweil ineinen Winckel, warten daselbst des Heiligen Geistes. Aber siekommen recht an, und finden anstatt des holdseligen Taubleinseinen schwachen Raben, den Teufel selbst. Denn warum wollensie unsern Herrn Gott dahin zwingen, daß er sie etwas sonderssoll sehen lassen? Paulus selbst, der des Herrn Christi leiblicheStimme und Wort höret, und der höchste Prediger werden soll,muß in die Stadt und Ananiam hören. Da, spricht Christus,gehe hin-, will ihm kein sonders machen, noch ihn im Felde fer-ner lehren oder taufen, sondern weiset ihn zu Anania in dieStadt, da sein Wort und Taufe ist. Und Paulus folget gern,ob er gleich noch nicht weiß, wo er hin soll und wer es ihm sagensoll. Da schickt nun unser Herr Gott den Ananiam, wie dieHistoria weiter meldet, der predigt ihm, taufet ihn, und legtihm die Hände auf und spricht:
Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, derdir erschienen ist auf dem Wege, da du herkämest, daßdu wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfülletwerdest.