Predigt über Apostelgesch. 8, 1 — 9. 89
thust du mir. Er greiffet ihn also in seiner Sünde und trifftihm das Gewissen, und rücket ihm alles das Blut seiner Christenauf, das vergossen ist; daß nicht Wunder wäre, daß Paulus ineinem Augenblick wäre todt gewest. Denn wenn das recht insHertz und unter die Augen schlagt, daß man Gott verfolget habe,da wird wenig Trostes bleiben. Unsern Papisten wirds auch alsogehen; entweder wenn sie sterben sollen, oder am Jüngsten Tage,da wird ihr Gewissen sie beschuldigen und sie also zu Boden schla-gen, daß weder Hertz noch Athem mehr wird da seyn. Nun,Paulus boret solche Worte nur allein, das Licht aber siehet ernicht allein; denn am 26. Cap. 13, 14, saget er, seine Gesellenhaben es auch geseben und sind auch zu Boden gefallen vor Schre-cken; aber Paulum hören sie allein reden, und sehen doch nie-mand, mit dem er redet, wie hier stehet. Der Herr Christusredete weiter und spricht:
Es wird dir schwer seyn, wider den Stachel lecken.
Das ist eine treffliche Warnung, welche alle zu Hertzcn nehmensollten, so diese Lebre qedencken zu verfolgen; aber sie baben dieGnade nicht, daß sie es glauben könnten. Darum bekehren siesich nicht, wie Paulus, sondern fahren in Sünden fort, bis siebier zeitlich und dort ewig müssen sterben und verderben. Köst-lich Ding ist es, (spricht Cbrisius,) daß du so tobest! Wasrichtest du doch damit aus? Anders nichts, denn daß du mir inSpieß laufest. Ist aber das nicht ein lacherlicher, ja auch einschädlicher Krieg, daß du sehr zürnen und im Zorn mit dem Fußwider einen Stachel lecken und deinen Zorn so mit Schaden aus-lassen wolltest. Dieses ist nun ein sebr mercklicher und tröstli-cher Spruch für die armen verfolgten Cbriflen, daß man es da-für halte, wer Cbristum verfolget, daß derselbige wider einenspitzigen Stachel lecke. Denn da soll der Fuß entweder verlahmetwerden, oder sonst nickt viel Glück daben seyn. Also soll es ge-rathen, wer wider Cbristum tobet. Viel grosser Fürsten, undsonderlich der Pabst und sein gottloser Haufe gedencken, sie wollenCbristum berab vom Himmel reissen, das ist, seine Lehre undWort dampffen. Wie sie es denn getrost angrciffen, die armenChristen verfolgen und würgen, unsere Bücker verbieten und ver-brennen, und allerley vornehmen, die Lebre des Evangelii zubindern. Aber man soll bald sehen, wie es ihnen gerathen wurde-Denn der Spieß ist nicht dazu gemacht, daß man darauf gabenoder dawider lausten, sondern dawider stechen und sich wehren soll;so wollen die blinden Leute mit den Füssen dawider aufpumpen.