Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
Seite
58
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S8 Predigt am neunzehnten Sonntage nach Trinitatis.

recht göttlich Erkenntniß, Verstand und Sinn, und auch gött-lich Leben, der Gerechtigkeit und Heiligkeit folgen, wie in Gottselbst ist.

Darum leget die Lügen ab und redet die Wahrheit,ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir untereinander Glieder sind w.

Ob jemand nicht verstünde, was da sey der alte oder neueMensch, oder welches wahrhaftige und falsche Gerechtigkeit undHeiligkeit sey, so gibt er ein Exempel an einem oder zweyenStücken, dabey mans sehen und greifen kann. Wenn man alleSünde auf einen Haufen fasset, so theilen sie sich in die zweyStücke, welche sind des Teufels eigen Werck, nemlich, Lügenund Mord; denn durch Lügen richtet er an alle Abgötterey, Irr-thum, falsche Glauben und Heiligkeit, und unter den Leuten Un-treu, Schalkheit, böse Tücke zc. Und damit darnach weiter dieLeute wider einander treibet zu Zorn, Haß, Rache und Mord-gier; darum setzet St. Paulus hier auch diese beyden Stückezusammen.

Wo nun einer mit dem andern nicht mit Wahrheit, son-dern falschlich handelt und bekreuzet, es sey in geistlichen oderweltlichen Sachen (wie denn die Welt in alle ihrem Wesen nichtsanders thut, denn lüget und trüget) da ist gewißlich der alteMensch, und keine Gerechtigkeit noch Heiligkeit, ob er sich gleichschmücket mit grossem Schein, und von der Welt nicht kann ge-strafet werden: Denn da siehet man kein Gottes, sondern nurdes Teufels Bild, daß das Hertz nicht Gott vertraut, noch anseiner Wahrheit halt (sonst würde es auch der Lügen und Falsch-heit feind seyn); sondern das für köstlich halt, daß es sich kannmit falschem Schein decken, auch unter Gottes Namen, und umseiner Lust willen, des Geitzes oder Eigennutzes und Ehre, denNächsten betrüget, belüget, berücket, und übers Seil wirft,wie ihn solche Teufelslust traget und hetzet.

Wiederum, kannst du an dem Widerspicl sehen, wo da istein neuer Mensch, der die Wahrheit redet, und der Lügen feindist, nicht allein jenen hohen Lügen, wider die erste Tafel derZehn Gebot, sondern auck in der andern, mit niemand betrüg-lich und falschlich handelt ic., sondern jedermann traulich undbrüderlich meynet, und handelt, wie die Christen sollen untereinander leben, als die unter einander Glieder sind Eines Leibes(wie er hier sagt), und alle Güter in Christo einerley und ge-mein haben tc.