48 Predigt am sechszehnten Sonntage nach Trinitatis.
nicht allein das Wort bey ihnen sey, wiewol das auch ein großGut und Gabe ist, wo es reichlich gehet; sondern, daß es auchim Hertzen schmecke und stark gehe im Leben. Also setzet er ge-gen einander Wort und Kraft: Viele haben das Wort, wenigeaber die Kraft, daß es nachdrücke und zufolge komme, und alsohernach gehe, wie man davon sagt. Unsere Widersacher könnenuns nicht höher schelten und spotten, denn daß wir viel Gutespredigen und hören, aber doch nicht weiter kommen, und nie-mand darnach thut, noch sich davon bessert; ja, daß wir argerwerden, denn wir zuvor gewesen sind, darum (sagen sie,) wärees besser, daß es bliebe, wie es vorhin gewesen ist.
So will nun St. Paulus sagen: Das bitte und wünscheich euch von Gott, daß er euch einen solchen kühnen und trotzi-gen Muth, und so einen starcken freudigen Geist gebe, der un-erschrocken sey für Armuth, Schande, Sünd, Teufel und Tod,daß ihr gewiß seyd, daß euch nichts schaden, noch mangeln könne.
Der Welt Muth bleibet und stehet nicht langer, denn solang ein Vorrath vorhanden ist, da man sich auf verlaßt; aberjener Geist verlasset sich allein auf Gott, hat auch keinen Vor-rath noch Baarschaft, denn Gott allein; darauf trotzet er wideralles Uebel, gewinnet gar ein ander Hertz und Muth, denn dieWelt hat.
Und Christum wohnen durch den Glauben in euren
Hcrtzen.
Christum aber im Hertzen wohnen, ist nichts anders, dennChristum erkennen, was er sey, und was man sich zu ihme ver-sehen soll; nemlich, daß er unser Heiland sey, durch welchen wirdahin kommen sind, daß wir Gott mögen unsern Vater nennen,und durch ihn den Geist empfahen, der uns wider alle Unglückeeinen Muth gibt. Also wohnet er bey uns im Hertzen; denn ersonst nicht zu fassen ist, weil er nicht ein todt Ding, sondern einlebendiger Gott ist. Wie fasset man ihn aber ins Hertz? Nichtmit Gedancken, sondern allein durch den lebendigen Glauben.Ist nun der Glaube recht und grundgut, so hast du und fühlestChristum in deinem Hertzen, und weißt alles, was er dencketund thut, im Himmel und Erden, wie er durch sein Wort undGeist regieret, und wie die gesinnet sind, beyde, die ihn habenund nicht haben.
Das will hie St. Paulus, daß Christus so kraftig seyn sollim Hertzen, daß er ausrichte, was das Wort in sich hat, daßwir von Sünd und Tod erlöset werden, und sicher sind seiner