Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
Seite
25
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Predigt am neunten Sonntage nach Trinitatis.

hindurch noch hinüber, da wir hin sollen, sondern gehen noch un-terwegen, da wir müssen immer fortfahren in dem angefangenenKampf, wider alle Gefahr und Hinderniß, so uns anstösset. DieErlösung ist wol angefangen, aber noch nicht gar an uns vollen-det. Aus Egypten bist du kommen, durchs rothe Meer gegangen,(das ist, aus des Teufels Gewalt durch die Taufe Christi in Got-tes Reich geführet), aber du bist noch nicht durch die Wüsten indas gelobte Land, und kannsts noch unter Wegen versehen, daßdu geschlagen werdest, und deiner Erlösung fehlest.

An Gott mangelt es freylich nicht; denn er hat uns schongegeben sein Wort, Sacramente, Gnade, Geist und Gaben, sowir bedürfen, und will uns auch förder helfen; allein, daß wirnicht davon fallen, und die Gnade von uns schlagen, durch Un-glauben, Undanckbarkeit, Ungehorsam und Verachtung seinesWorts ?c. Denn es heißt (wie Christus sagt Matth. 24, jz.)nicht, wer da ansähet, sondern wer da beharret bis ans Ende,der wird selig. Das ist nun, das hier der Apostel weiter spricht:Solches alles widerfuhr jenen zum Fürbilde: Es istaber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Endeder Welt kommen ist.

Wenn du diese Historie und Exempel liesest oder hörest, wiedas Jüdische Volck in der Wüsten so greulich gestrafet ist, sodencke nicht, daß es sey eine todte Historie, so nun niemand mehrangehet. Denn es ist ja nicht jenen geschrieben, die nun todtsind, sondern uns, die wir leben, daß wir uns daran stossen sol-len, und solches ansehen als ein ewiges Exempel, der ganzen Kir-chen vorgestellet; denn es ist eben einerley Werck und RegimentGottes in seiner Kirche, vom Anfang der Welt bis ans Ende,wie es auch allezeit einerley Gottes Volck oder Kirche ist. Undist diese Historie nicht allein ein Bild der Kirche zu jeder Zeit,sondern auch ein groß Stück derselben (und fast das fürnehmste),so uns zeiget, wie allezeit die Kirche auf Erden stehet und gehet,nemlich daß sie allezeit ohne menschliche Macht und Hülfe wun-derbarlich von Gott regieret und erhalten wird, durch mancherleyAnfechtung, Aergerniß, Leiden und Schwachheit, und nicht istnoch bleibet in einem steten, gefaßten und geordneten Regiment,»och menschlicher Weisheit, da es alles an einander hange, undfür und für darnach gehe; sondern hin und wieder geworfen undzerstreuet, darzu auch unter ihnen selbst geschwächt, durch man-cherley Zerrüttung und Strafe, und der grosse und fürnehmsteTheil, so den Namen und Ansehen der Kirchen führen, dahin