Predigt am neunten Sonntage nach TrlnitatiS. 21
auch des Volcks Gottes und der Kirchen, so er sonderlich erwäh-let aus dem Volck Israel.
Und ist diß die Ursach und Meynung dieser Epistel. Weildie Eorinther begunten sicher zu werden, darauf, daß sie hattenChristum, die Taufe, Sacrament; meyneten, es könnte ihnennichts mehr fehlen, fuhren zu und richteten Secten und Tren-nung an unter ihnen selbst, und verachteten einander, vergastender Liebe, ihr Leben und böse Wercke nicht besserten noch büsse-ten, sondern dabey nur sicherer wurden, thaten, was sie wollten;also, daß sie auch geschehen liessen, daß einer seines Vaters Weiböffentlich bey sich hatte:c. Und wollten doch Christen seyn, undsich des Evangelii, von den hohen Aposteln ihnen geprediget, rüh-men und brüsten.
Er zeiget aber genug in diesem Stück, aus den trefflichenExempeln der Schrift, daß wohl noth sey solcher ernsten Vermah-nung, denen, so da wollen auf die empfangene Gnade erst fleisch-lich sicher werden, und nicht bey ihrer angefangenen Busse bleiben.
Diese Vermahnung thut er (wie gesagt), an die, so nunChristen sind, damit sie wissen, ob sie wol auf Christum getauft,und alle seine Wohlthat aus lauter Gnaden, ohn ihr Verdienst,empfangen und haben, daß sie dennoch schuldig sind, hinfort inseinem Gehorsam zu leben, nicht wider ihn stolziren und pochen,noch seiner Gnade mißbrauchen. Denn das will er dennoch auchvon uns haben, ob wir wol daher nicht vor ihm gerecht werden,noch Gnade verdienen.
Hievon sahet er nun an, und spricht: Seyd ihr Christenund gctauset :c. so sollt ihr auch das wissen; und wo ihrs nichtwüßtet oder nicht daran gedencket, muß ichs euch nicht unangezei-get lassen, daß ihr doch hinter euch sehet, und zurück dencket, wiedie Schrift uns vorhält, daß es denen gegangen ist, die da auchGottes Volck waren; das sind gewesen unsere Väter, ein treffli-cher, schöner, grosser Haufe und Gemeinde, welcher über sechsmalhundert tausend gezählet wurden, an eitel erwachsenen Manns-personen, ohn ihren Weibern und Kindern.
Aber wie lange währete solcher Glaube bey dem grossenHaufen? nicht länger, denn bis sie in die Wüsten kamen, da be-gunten sie bald Gottes Wort zu verachten, und wider Mosenund Gott zu murren, Abgötterei) zu treiben w. Da schlug auchGott unter sie, also, daß von dem ganzen grossen Volck, so ausEgypten gezogen war, und den hohen trefflichen Leuten, so mitMose das Volck aus Egypten geführet und regieret hatten, nicht