Druckschrift 
Kurze Anleitung zum Bau der Gewächshäuser mit Angabe der inneren Einrichtung derselben u. der Construktion ihrer einzelnen Theile : mit 6 Kupfertaf.
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

ä

In gleichem Verhältnisse mit der Zunahme der Wissenschaft hat sichauch die Zahl der Liebhaber der Botanik vermehrt, und auf vielen Be-sitzungen werden jetzt Treibhäuser erbaut, weil sich der Eigenthümer ent-weder mit dem Studium der Pflanzenkunde beschäftigt, oder weil ihmüberhaupt der Anblick blühender und seltener Gewächse Freude gewährt.

Auf gleiche Weise wie die, zu wissenschaftlichen Zwecken oder zumbloßen Vergnügen angelegten Treibhäuser für exotische Pflanzen, habenauch diejenigen Gewächshäuser Veränderungen erlitten, worin genießbareErzeugnisse kultivirt werden sollen, und es ist zu erwarten, daß bei zu-nehmendem Luxus auch deren Anzahl verhältnißmäßig zunehmen wird.

Nur selten ist in unsern Gegenden auf großen und sicheren Absatzvon den in Treibhäusern gezogenen Früchten zu rechnen gewesen, worannicht sowohl Mangel an Geld, als die Gewißheit Schuld sein mag, daßwenige Monare später die Natur freiwillig liefert, was ihr einige Mo-nate früher, durch Kunst abgewonnen werden muß. Bedeutender istein solcher Absatz der in Treibhäusern gezogenen Produkte, in den ent-fernter» nördlichen Gegenden, z. B. um Petersburg, wo ein kurzer Som-mer nicht hinreicht, die meisten Früchte im Freien zu zeitigen und daherdie Kunst ins Mittel tritt. Der Unterschied im Preise der durch künst-liche Mittel erhaltenen Früchte, gegen die aus fernen Gegenden einge-führten, im Freien zur Reife gekommenen, ist dort begreiflich nichtso groß, wie bei uns, und es ist also mehr auf einen sichern Absatz zurechnen, als hier. Daß in England die Fruchttreibereicn im höchsten Florsind, darf nicht befremden, da dort die Menge reicher Partiknliers gegenhier überwiegend ist.

Vermöge ihrer Stellung, haben die Verfasser dieser Schrift sichmehrfach mit Erbauung von Gewächshäusern der verschiedensten Art be-fassen müssen, daher sie doppelte Veranlaßung hatten, sich mit den überdiesen Gegenstand erschienenen Schriften vertraut zu machen, um bei Er-richtung der Gebäude im Königlichen botanischen Garten bei Berlin,möglichst das Bessere zu leisten und die bedeutenden Summen, welcheEr. Majestät der König für diese Bauten zu bewilligen die Gnade ge-habt hak, zweckmäßig zu verwenden, auch das Vertrauen der um Kunstund Wissenschaft so hoch verdienten wirklichen Geheimen StaatS-MinisterHerrn Freiherrn v. Altenstein und v. Schuckmann Excellenzen zu recht-fertigen. Die Bestrebungen, sich aus Büchern Raths zu erholen, beson-ders in Absicht des technischen Theiles der Erbauung der Hauser, wurden