— 57 —
Hoffart. Sie ist ei», meiner Seits so ent-schiedenes Zurückziehen innerhalb der das bedingteIch begrenzenden Schranke, daß vor denl Zusam-mengezogenseyn in dem begrenzten Ich, mein Selbstegefühl von Unbedingtheitstendenz in hohem Gradeerlischt.
Geiz. Er ist ein meiner Seits so ausschlie-ßendes Hinstarren nach der außerichlichen Beding-niß meines zeitbeschmnkten Seyns, daß, vor demHinstarren nach einer an sich selbst nur zeitbeschränk-ten Bedingniß, mein Selbstgefühl von Unbedingt-heitstendenz in hohem Grade erlischt.
Unkeuschheit. Sie ist das meiner Seitswuchernde Streben, das Conterfay meines beschränk-ten Seyns, innerhalb der Sphäre des Beschränktenüberhaupt, so vielfach und ausschließend hinzusetzen,daß, wo möglich, die Sphäre des Beschränktenüberhaupt zum Reflex bloß meines Ichs werdenmöchte (die Unkeuschheit ist gleichsam die Hoffartdes Fleisches); durch welches gierige Ersassen einer
*) Daher sind die Lust zu zeugen unv zu tödtcn,Wohl.-Lust und Grausamkeit, so enge unter sichverwandt. Auch zeigt ein geringes Nachdenken, wiees zugehe, daß gewöhnlich Wohllust, Feigheit, Grau.-sanikeit und Hoffart vereint angetroffen werden, daßhingegen, Enthaltsamkeit von sinnlicher Liebe, stets mitTapferkeit, Milde und Bescheidenheit, also mit jenenherrlichen Tugenden, gepaart sich finde, die den Mein