Druckschrift 
16 (1862) Dichtungen : Th. 2, Tragödien und neue Gedichte
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen
 

— 72 —

Dort spuckt er meinem Bruder in den Bart,Und tritt ihn noch mit Füßen obendrein/Ich hör's: dort weint das arme Mütterchen;

Sie aß am Freitag gerne Gänsebraten,

Drum bratet man sie selbst jetzt, Gott zu Ehren.Am Pfahl daneben steht ein schönes Mädchen —Die Flammen sind in sie verliebt, umschmeicheln,Umlecken sie mit lüstern rothcn Zungen;

Sic schreit und sträubt sich hold erröthcnd gegenDie ^ allzuheißen Buhlen, und sie weint —O schade! aus den schönen Augen fallenHcllrcine Perlen in die gicr'gc Gluth.

Jedoch was sollen diese Leute mir?

Mein Herz ist ganz durchstachen wie ein Sieb,Hat keinen Raum für neue Schmcrzcnstichc.Der blnt'gc Mann, der auf der Folter liegt,Hat kein Gefühl für einer Biene Stachel.

Glaub mir'S, ich bin Almansor noch, und gastfreiSteht meine Brust noch offen fremden Schmerzen;'Doch durch die engen Pförtlcin Aug' und OhrSind Ricscnlcidcn in die Brust gestiegen/

Die Brust ist voll —

(ängstlich leise)

Gar ein'ge wunde GästeSind hcrbcrgsuchcnd mir ins Hirn gestiegen.

Hassan.

Steh auf! steh auf! sonst sag' ich dir ein Wort,Das dich anfgeißcln wird, und neue GluthIn deine Adern gießt —

lsich zu ihm hcrabbeugcndt)

Zulcima

Liegt heute Nacht in eines Spaniers Armen.

-)