Druckschrift 
16 (1862) Dichtungen : Th. 2, Tragödien und neue Gedichte
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

Der schlimmste Wurm, die Lebenskraft zernagte,Und der Verzweiflung wilder Sturm ihn rüttelt?

Hassan.

Steh ans, steh ans, Almansor! Nur der WurmMag sich am Boden krümmen, doch der AarFliegt stolz hinaus zum cw'gcn Sonnenlichte.

Almansor.

Reiß du dem Aar die mächt'gen Flügel aus,

Und auch der Aar ist Wurm' und kriecht am Boden.Des Mißmnths Schere hat mir längst zerschnittenDie goldncn Flügel, die mich einst als KnabeGen Himmel trugen, hoch, gar hoch hinauf.

Hassan.

O, zeig mir einen Stein/ der kalt und stumm ist,Und sprich: „Das ist Almansor!" Ich will'S glauben.

Doch du bist's nicht, du, der mit offnen AugenDort zaghaft liegst, und liegst, und glotzend zusiehst/Wie man die Schmach ans deine Brüder wälzt/Wie span'scher Ucbcrmuth der Mauren besteUnd edelste Geschlechter frech verhöhnt,

Wie man sie schlau beraubt, und händeringendUnd nackt und hilflos ans der Heimat peitscht —

Du bist Almansor nicht, sonst dränge dirIns Ohr der Greise und der Weiber Wimmern,Das span'sche Hohngelächter und der AngstrufDer edlen Opfer auf dem glühndcn Holzstoß.

Almansor.

Glaub mir, ich bin's. Ich seh' den span'schen Hund!

So ist er auch ein Wurm ^ 2) Dort zaghast liegt, und liegt, und

I 4) hauset,