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16 (1862) Dichtungen : Th. 2, Tragödien und neue Gedichte
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Tageslcidenschaften; Wenige hören ihn, Keiner ver-steht ihn. Friedrich Schlegel nannte den Geschicht-schrciber einen Propheten, der rückwärts schaue indie Vergangenheit; man könnte mit größcremFug von dem Dichter sagen, dass er ein Geschicht-schreiber sei, dessen Auge hinausblicke in die Zu-kunft.

Ich schrieb denWilliam Ratcliff" zu Berlinunter den Linden, in den letzten drei Tagen desJanuars 1821"), als das Sonnenlicht mit einemgewissen lauwarmen Wohlwollen die schneebedecktenDächer und die traurig entlaubten Bäume bcglänztc.Ich schrieb in einem Zuge und ohne Brouillon.Während dem Schreiben war es mir, als hörte ichüber meinem Haupte ein Rauschen, wie der Flügel-schlag eines Vogels. Als ich meinen Freunden, denjungen Berliner Dichtern, davon erzählte, sahen siesich einander an mit einer sonderbaren Miene, undversicherten mir einstimmig, dass ihnen nie Derglei-chen beim Dichten Passiert sei.

Paris, den 24. November 1851.

Heinrich Heine.

*) DerRatcliff" wurde nicht 1821, sondern erst 1822geschrieben. Vgl. (in Band XIX) den aus Göttingen da-tierten Brief an Steinmann vom 4. Februar 1821, in wel-chem nur vomAlmansor" die Rede ist.

Der Herausgeber.