Druckschrift 
15 (1862) Dichtungen : Th. 1, Buch der Lieder
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

Mein Herz wird beengt, mein Auge wird trüb,Wenn ein Andrer mit Liebchen sich frent.

Denn ich habe auch ein süßes Lieb,

Doch wohnt sie gar ferne und weit.

So manches Jahr getragen ich Hab',

Ich trage nicht länger die Pein,

Ich schnüre mein Bündlein und greife den Stab,

Und wandr' in die Welt hinein.

Und wandre fort manch hundert Stund',

Bis ich komm' an die große Stadt;

Sie prangt an eines Stromes Mund,

Drei keckliche Thürmc sie hat.

Da schwindet bald mein Licbcsharm,

Da harret Freude mein;

Da kann ich wandeln, Feinsliebchen am Arm,Durch die duftigen Lindcnrcihn.

4/

Wenn ich bei meiner Liebsten bin,Dann geht das Herz mir auf;

Dann bin ich reich in meinem SinnUnd biet' die Welt zu Kauf.

Doch wenn ich wieder scheiden mussAus ihrem Schwanenarm,

Dann schwindet all mein Überflust.Und ich bin bettelarm.