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2 (1861) Reisebilder : Th. 2
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der Mcnschcn, um so bescheidener als er der gött-lichste war? Ja, was bisher allen Theologen ent-gangen ist, Das entdeckte der Graf Platen, denner insinuiert uns, Christus, als er vor Pilatusgestanden, sei ebenfalls nicht bescheiden gewesen,und habe nicht bescheiden geantwortet, sondern alsJener ihn srug: Bist du der König der Juden?habe er gesprochen: Du sagst es. Und so sageauch Er, der Graf Platen: Ich bin es, ich binder Poet! — Was nie dem Hasse eines VerächtersChristi gelungen ist, Das gelang der Exegese sclbst-vcrliebter Eitelkeit.

Wie wir wissen, was wir davon zu halten,wenn Einer solchermaßen beständig schreit: Ichbin der Poet! so wissen wir auch, was es für eineBewandtnis hat mit den ganz außerordentlichenGedichten, die der Graf, wenn er die gehörigeReife erlangt, noch dichten will, und die seine bis-herigen Meisterstücke an Bedeutung so unerhörtübertreffen sollen. Wir wissen ganz genau, dassdie späteren Werke des wahren Dichters keineswegsbedeutender sind als die früheren, eben so wenigwie ein Weib, je öfter sie gebärt, desto vollkomme-nere Kinder zur Welt bringt; nein, das erste Kindist schon eben so gut wie das zweite — nur dasGebären wird leichter. Die Löwin wirft nicht erst