Druckschrift 
6 (1861) Über Deutschland : T. 2
Entstehung
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

— 255 —

feiern vermocht! Damals empfand ich seine Vor-trefflichkeit vielleicht besser als jetzt; er stand mirnäher an Empfindung und Denkvermögen. Aberso Vieles hat sich seitdem ereignet! Was mir soherrlich dünkte, jenes chevalereske und katholischeWesen, jene Ritter, die im adligen Turnei sichhauen uud stechen, jene sanften Knappen und sitti-gcn Edelfraucn, jene Nordlandshelden und Minne-sänger, jene Mönche und Nonnen, jene Vätergrüftcmit Ahnungsschaucrn, jene blassen Entsagnngsgefühlemit Glockengeläute, und das ewige Wehmuthge-wimmer, wie bitter ward es mir seitdem verleidet!Ja, einst war es anders. Wie oft, auf den Trüm-mern des alten Schlosses zu Düsseldorf am Rhein,saß ich und deklamierte vor mich hin das schönstealler Uhlaud'schen Lieder:

Der schöne Schäfer zog so nahVorüber an dem Königsschloss;Die Jungfrau von der Zinne sah.

Da war ihr Sehnen groß.

Sic rief ihm zu ein süßes Wort:

„O dürft' ich zehn hinab zu dir!Wie glänzen weiß die Lämmer dort.Wie roth die Blümlcin hier!"