Was Herr Häring, der unter dein Namen Willi-bald Alexis schreibt, in verschiedenen Zeitschriftenüber Goethe gesagt hat, war eben so bedeutend wiegeistreich. Herr Zimmermann, Professor zu Ham-burg, hat in seinen mündlichen Vorträgen die vor-trefflichsten Nrtheilc über Goethe ausgesprochen, dieman zwar spärlich, aber desto tiessinniger, in seinendramaturgischen Blättern angedeutet findet. Aufverschiedenen deutschen Universitäten wurde ein Kolle-gium über Goethe gelesen, und von allen seinenWerken war es vorzüglich der „Faust", womit sichdas Publikum beschäftigte. Er wurde vielfach fort-gesetzt und kommentiert, er ward die weltliche Bibelder Deutschen.
Ich wäre kein Deutscher, wenn ich bei Erwäh-nung des „Faustcs" nicht einige erklärende Gedankendarüber ausspräche. Denn vom größten Denker biszum kleinsten Markör, vom Philosophen bis herabzum Doktor der Philosophie, übtJcdcr seinen Scharf-sinn an diesem Buche. Aber es ist wirklich eben soweit wie die Bibel, und wie diese, umfasst es Him-mel und Erde, mitsammt dem Menschen und seinerExegese. Der Stoff ist hier wieder der Hauptgrund,wcsshalb der „Faust" so populär ist; dass er jedochdiesen Stoff herausgesucht aus den Volkssagcn, Daszeugt eben von Goethc'S unbcwusstem Tiefsinn von