hicß, die Helden des alten nnd neuen Testamentes,die Legende, kurz die Kirche besang, so spiegelte sichdoch in der profanen Poesie das ganze damaligeLeben mit allen seinen christlichen Anschauungenund Bestrebungen. Die Blttthc der heiligen Dicht-kunst im deutschen Mittelalter ist vielleicht „Bar-laam und Josaphat," ein Gedicht worin die Lehrevon der Abnegation, von der Enthaltsamkeit, vonder Entsagung, von der Verschmähung aller welt-lichen Herrlichkeit am konsequentesten ausgesprochenworden. Hicrnächst möchte ich den „Lobgcsang ausden heiligen Anno" für das Beste der heiligen Gat-tung halten. Aber dieses letztere Gedicht greift schonweit hinaus ins Weltliche. Es unterscheidet sichüberhaupt von dem erstcren, wie etwa ein byzan-tinisches Heiligenbild von einem altdeutschen. Wieauf jenen byzantinischen Gemälden, sehen wir eben-falls in „Barlaam und Josaphat" die höchste Ein-fachheit, nirgends ist perspektivisches Beiwerk, und dielang mageren, statucnähnlichcn Leiber und die iden-tisch ernsthaften Gesichter treten streng abgezeichnethervor, wie aus weichem Goldgrund; — im Lob-gesang auf den heiligen Anna wird, wie ans alt-deutschen Gemälden, das Beiwerk fast zur Haupt-sache, und trotz der grandiosen Anlage ist doch dasEinzelne aufs kleinlichste ausgeführt, nnd man weiß
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