Druckschrift 
6 (1861) Über Deutschland : T. 2
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

— 22 —

Oder etwa, wie greise Lüstlinge durch Nuthcn-strciche das erschlaffte Fleisch zu neuer Gcnussfähig-keit aufreizen: wollte das alternde Rom sich mönchischgeißeln lassen, um raffinierte Genüsse in der Qualselbst und die Wollust im Schmerze zu finden?

Schlimmer Überreiz! er raubte dem römischenStaatskörpcr die letzten Kräfte. Nicht durch dieTrennung in zwei Reiche ging Rom zu Grunde;am Bosporus wie an der Tiber ward Rom ver-zehrt von demselben judäischcn Spiritualismus, undhier wie dort ward die römische Geschichte ein lang-sames Dahinsterben, eine Agonie, die Jahrhundertedauerte. Hat etwa das gemeuchelte Judäa, indemes den Römern seinen Spiritualismus bescherte,sich an dem siegenden Feinde rächen wollen, wieeinst der sterbende Centaur, der dem Sohne Jupi-ters das verderbliche Gewand, das mit dem eignenBlute vergiftet war, so listig zu überliefern wusste?Wahrlich, Rom, der Herkules unter den Völkern,wurde durch das judäische Gift so wirksam verzehrt,dass Helm und Harnisch seinen welkenden Gliedernentsanken, und seine impcratorische Schlachtstimmehcrabsicchte zu betendem Pfaffcngcwimmcr und Ka-stratcngctriller.

Aber was den Greis entkräftet, Das stärktden Jüngling. Jener Spiritualismus wirkte heilsam