Schelling nach dein Umfange eines Buches und nachder Strenge des Buchstabens bcurthcilen wollte.Man muss vielmehr seine Bücher chronologisch lesen,die allmähliche Ausbildung seines Gedankens darinverfolgen, und sich dann an seiner Grundidee fest-halten. Ja, es scheint mir auch nöthig, dass manbei ihm nicht selten unterscheide, wo der Gedankeaufhört und die Poesie anfängt. Denn Herr Schel-ling ist eines von jenen Geschöpfen, denen die Naturmehr Neigung zur Poesie als poetische Potenz ver-liehen hat, und die, unfähig den Töchtern des Par-nassus zu genügen, sich in die Wälder der Philo-sophie geflüchtet, und dort mit abstrakten Hama-drhaden die unfruchtbarste Ehe führen. Ihr Ge-fühl ist poetisch, aber das Werkzeug, das Wort,ist schwach; sie ringen vergebens nach einer Kunst-form, worin sie ihre Gedanken und Erkenntnissemittheilcn können. Die Poesie ist Herrn Schclling'sForce und Schwäche. Sie ist es, wodurch er sichvon Fichte unterscheidet, sowohl zu seinem Vorthcilals auch zu seinem Nachthcil. Fichte ist nur Phi-losoph, und seine Macht besteht in Dialektik und seineStärke besteht im Demonstrieren. Dieses aber istdie schwache Seite des Herrn Schelling, er lebt mehrin Anschauungen, er fühlt sich nicht heimisch in denkalten Höhen der Logik, er schnappt gern über in
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