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5 (1861) Über Deutschland : Th. 1
Entstehung
Seite
124
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der Lektüre des Spinoza ergreift uns ein Gefühlwie beim Anblick der großen Natur in ihrer leben-digsten Ruhe. Ein Wald von himmelhohen Ge-danken, deren blühende Wipfel in wogender Bewe-gung sind, während die unerschütterlichen Baum-stämme in der ewigen Erde wurzeln. Es ist eingewisser Hauch in den Schriften des Spinoza, derunerklärlich. Man wird angeweht wie von denLüften der Zukunft. Der Geist der hebräischenPropheten ruhte vielleicht noch ans ihrem spätenEnkel. Dabei ist ein Ernst in ihm, ein sclbstbc-wusster Stolz, eine Gedankengrandezza, die ebenfallsein Erbtheil zu sein scheint; denn Spinoza gehörtezu jenen Märtyrcrfamilien, die damals von denallerkatholischsten Königen aus Spanien vertriebenworden. Dazu kommt noch die Geduld des Hol-länders, die sich ebenfalls, wie im Leben, so auchin den Schriften des Mannes niemals verleug-net hat.

Konstatiert ist es, dass der Lebenswandel desSpinoza frei von allem Tadel war, und rein undmakellos wie das Leben seines göttlichen Vetters,Jesu Christi. Auch wie Dieser litt er für seine Lehre,wie Dieser trug er die Dornenkrone. Überall, woein großer Geist seinen Gedanken ausspricht, istGolgatha.