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3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
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Trotzdem dast ich in der Synagoge von Ve-nedig nach allen Seiten umherspähcte, konnte ichdas Antlitz des Shylock's nirgends erblicken. Unddoch war es mir, als halte er sich dort verborgenunter irgend einem jener weißen Talarc, inbrün-stiger betend als seine übrigen Glaubensgenossen,mit stürmischer Wildheit, ja mit Raserei hinauf-betend zum Throne Zehovah's, des harten Gott-königs ! Ich sah ihn nicht. Aber gegen Abend, wonach dem Glauben der Juden die Pforten desHimmels geschlossen werden und kein Gebet mehrEinlast erhält, hörte ich eine Stimme, worin Thrä-nen rieselten, wie sie nie mit den Augen geweintwerden ... Es war ein Schluchzen, das einenStein in Mitleid zu rühren vermochte ... Eswaren Schmcrzlante, wie sie nur aus einer Brustkommen konnten, die all das Martyrthum, wel-ches ein ganzes gequältes Volk seit achtzehn Jahr-hunderten ertragen hat, in sich verschlossen hielt...Es war das Röcheln einer Seele, welche todtmüdeniedersinkt vor den Himmclspfortcn . . . Und dieseStimme schien mir wohlbekannt, und mir war,als hätte ich sie einst gehört, wie sie eben so ver-zweiflungsvoll jammerte:Jessika, mein Kind!"