Ich glaube, er ist nicht einmal im Lande selbst ge-wesen, und er kennt dessen Physiognomie nur durchjene wundersame Intuition, die einem Poeten dieAnschauung der Wirklichkeit entbehrlich macht. Soschrieb ich selbst oor elf Jahren den „WilliamRatcliff," worauf ich hier um so mehr zurück-weisen möchte, da nicht bloß eine treue SchilderungEnglands, sondern auch die Keime meiner spätcrnBetrachtungen über dieses Land, das ich damalsnoch nie gesehen, darin enthalten sind.
Was Reisebeschrcibung betrifft, so gicbt es,außer Archenholz und Gödc, gewiss kein Buch überEngland, das uns die dortigen Zustände besserveranschaulichen könnte, als die, dieses Jahr beiFranckh in München erschienenen „Briefe einesVerstorbenen; ein fragmentarisches Tagebuch ausEngland, Wales, Irland und Frankreich, geschrie-ben in den Jahren 1828 und 1829." Es ist diesesnoch in mancher anderen Hinsicht ein vortrefflichesBuch und verdient in vollem Maße das Lob, dasihm Goethe und Varnhagen von Ense in den Ber-liner Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik ge-spendet haben.
Hamburg, den 15. November 1830.
Heinrich Heine.