Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
54
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Indem Sic dieß sprach, trat der König herein, fragend:„Von wem war die Rede?" „Wenn ich," crwicderte Sie,„von meinem Muster und Vorbilde rede, dann weißt Duschon, wen ich meine. Aber ich darss Dir nicht sagen, Duwillst es nie hören." Mit unbeschreiblicher Anmuth und Zu-friedenheit sah die Königinn den König an, Er küßte Ihre 'klare heitere Stirn, reichte Ihr dann den Arm, und Beidegingen hinab in den schattigen Gang und setzten sich untereine alte Weide am heiligen See, da, wo die langen vollenZweige herübcrhängen und einen großen Raum vertraulichumschließen. Man schauet über Wiesen hin und sieht in derEntfernung die Pfauen-Insel. Wohl ist das ein stilles schö-nes Plätzchen contcmplativcr Ruhe! Wanderer! wenn Dudahinkommst, dann stehe still und gedenke hier gern eines Kö-nigs und einer Königinn, denen vereint Veredlung auch aufdem Throne das Höchste und Beste war.

Die weibliche und mütterliche Natur war in der Köni-ginn so entschieden vorherrschend, daß Sie keine Gelehrte seinkonnte und wollte; aber mit allen den wissenschaftlichen Kennt-nissen, die Ihr hoher Standpunkt verlangte, war Sie we-nigstens cncyclopädisch bekannt und wußte sie immer geschicktanzuwenden. Sic las gern und viel ernsthafte, lehrreicheSchriften; ein fortgehendes Verzcichniß der jedesmal neuestenund besten mußte Delbrück, der Lehrer und Erzieher desKronprinzen, vorlegen, und Sic hatte einen richtigen Blick inder Auswahl der Ihr nützlichsten. Gern sah Sie wissenschaft-liche Männer aus allen Facultäten und berühmte Gelehrtein Ihrer Umgebung, und hatte eine anmuthige, naive Art,sie zu befragen und von ihnen zu lernen. Wollte Sie inder Unterredung mit ihnen gern Etwas wissen, wovon Sie