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lebendige Schrift ist, die Jeder gleich versteht; hat ein sol-ches Auge dabei zugleich die leise Färbung einer sanften Weh-muth, die im reinen und schnellen Mitgefühl Leidende erken-net, so liegt darin eine Annäherung, ein Zugang wunderba-rer, herzgewinnender stiller Gewalt. Der Madonnen-Blick,womit ein solches Auge frisch und ruhig, klar und offen in'sLeben schauet und im reinen Gefühl reiner Menschlichkeit inJedem, auch dem Aermsten, liebreich nur den Menschen siehtund ehrt, ist ein Sonnenblick für Glückliche und ein Mond-blick für Traurige. Allerdings entzückte die Schönheit undAnmuth der Königinn; aber daß der dadurch erzeugte Ein-druck so eindringend und dauernd war, lag mehr noch indem bald klar gewordenen Bewußtsein, man sehe in Ihrdas liebliche Abbild und den reinen Abglanz weiblicher Würde.Wenn man bei dem Könige die Würde, im Charakter männ-licher Kraft, respectvoll ehrte, so entzückte sie zugleich imSchmucke reiner zarter Weiblichkeit bei der Königinn. WerSie zum Erstenmal sah und sprach, sühltc sich wie überraschtund erstaunte. Was bei Ihr anzog und fesselte, war etwasAnderes, als was man sonst auch bei'm Anblick schöner Frauensühlt; — es war das Durchschimmern des Idealen in dergraciösen Erscheinung der körperlichen Hülle. Für einen sol-chen leisen Anhauch hat die Sprache kein genügendes Wort;aber jeder Gebildete fühlt ihn im Lichtglanze des Geistigen.Eine schöne Seele im schönen Körper ist das Abbild einesewigen Urbildes. Gehörte Dieses nicht einer übersinnlichenWelt an, so würde Jenes in der sinnlichen nicht sichtbarwerden können. Die Ahnung dieses geistigen Zusammenhan-ges liegt in der menschlichen Brust, Jeder sühlt ihre Flügel-schläge und Schwingungen, sobald das Göttliche in reiner,menschlicher Hülle erscheint. Darin lag es auch, daß der