8 Schreiben an meinen Herrn Schwiegervater.
Geistes unterhält, welchen eine Landhaushaltung er--fordert.
Wenn wir einen Besuch erhalten: so empfängt ihnmeine Frau in ihrer jetzt gewöhnlichen Kleidung, miteinem so heroischen Anstände, daß ein jeder ihre groß-müthige Verleugnung bewundert. Da ihrem Anzügean Reinlichkeit und edler Schönheit nichts sehler: sokann sie sich darinn zeigen, ohne den Wohlstand zuverletzen; und unsre Denkungsart ist so bekannt, daßwir keine üble Auslegung befürchten dürfen. Imübrigen aber können Sie versichert sepn, daß die Ge-sellschaft gerne bcy uns ist; indem Munterkeit und Ge-fälligkeit sich über alles verbreiten, und das, was wirunfern Freunden vorsetzen, durch die Aufmerksamkeitmeiner Frau merklich verschönert wird.
Versuchen Sie es, und kommen zu uns. DieSchnnrre, welche Sie Wissenschaft heißen, und demschönen Geschlecht ehedem anpriesen, ist bep uns or-dentlich zum Gelächter geworden. Die Arbeit, dieserFluch, womit Gott das menschliche Geschlecht segnete,giebt uns wahres und dauerhaftes Vergnügen; undwir lesen außer der letzten Abendstunde nicht leicht einBuch; indem wir einmal überzeugt sind, daß der Menschnicht zum Schreiben und Lesen, sondern zum Säenund Pflanzen geboren sey; und daß derjenige, welchersich beständig damit beschäftiget, entweder keine ge-sunde Seele, oder sehr viele lange Weile haben müsse.Die Quelle alles wahren Vergnügens ist Arbeit. Ausdieser kommt Hunger, Durst, und Verlangen nachRuhe. Und wer diese drey Bedürfnisse recht empfin-det, kennet Wollust.
Leben Sie wohl, und besuchen uns bald.