407
Operation des Filjens entdeckte*). Auf das wicklicheSpinnen dieser Wolle verfiel man später, und noch spä-ter auf das kunstgerechte Weben derselben. Dabei läßtsich übrigens gar wohl einige historische Begründung fürdie alte Sage annehmen, daß die bewundernswerthe Kunstder Spinne dem Menschen als Führerin gedient habe,und daß namentlich weiblicher Fleiß zuerst darauf ver-fallen sen, die Leistungen dieses Thierchens stufenweise nach-zuahmen. Das erste Ziel hierbei war, einen kunstgerechten,gleichmäßigen Faden zu bereiten; und sobald man einmalentdeckt hatte, daß einzelne Fäden sich durch sorgsamesA neinanderdrehen ziemlich fest vereinigen ließen, lages auch nahe, die uralte Spindel als eine höchst einfacheHandmaschine für diesen Zweck zu erfinden.
Nachdem gleichmäßige Faden gewonnen waren, schrittman zur innern Verbindung derselben durch die eigentlicheWeberei; und für die Gleichmäßigkeit hierbei konnte außerdem Gewebe der Spinne recht gut auch die innere Hautund das kunstreiche Zellgewebe mancher Bäume als Musterdienen; zumal, da beim ersten Ansang noch keineswegs von
*) Daß die Filz-Bereitung noch älter ist, als die Weberei,scheint die Beobachtung nomadischer Steppen-Völker, wie der Kir-gisen, Baschkiren, Kalmücken n. s. w., zu lehren, welche sich mitWeberei gar nicht abgeben, Filzstoffe aber fortwährend verfertigenund anwenden. Gehört hiernach das Filzen einer weit früherenZeit an, als das Spinnen und Weben, so muß man es auchfür widersinnig erklären, daß der neueste JndustrialiSmuS daraufverfallen ist, wollene Kleidungsstoffe, und namentlich Tuch, nichtmehr, wie bisher, durch Spinnen und Weben zu gewinnen, son-dern durch das Filzen: denn es liegt hierin, statt eines Fort-schritts, ein offenbarer Rückgang.