Druckschrift 
1 (1842) (1842)
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

299

gehalten, daß der spätere Kaiser Pertinax, als er nochBeamter war, deshalb, weil er sich in Syrien der Postbedient hatte, ohne von dem dasigen Statthalter einenPostzettel zu erbitten, zur Strafe von Antiochien auseine ziemliche Strecke zu Fuße gehen mußte, obschon erdamals bereits einen Gesandtschaftsposten bekleidete*). EineAusnahme hiervon ward gewiß höchst selten gemacht; dennwir finden, daß sich der jüngere Plinius, der vertrauteFreund des Kaisers Trajan, ausdrücklich bei dem Impera-tor deshalb entschuldigt, daß er sich die Freiheit genommen,seiner Frau einen Postzettel zu ertheilen **).

Der argwöhnische Charakter des römischen Despotismuskonnte es nicht über sich gewinnen, den Gesammtverkehrdes Publicums aus gleiche Höhe mit dem heimlichenSpionir- und Verichterstattungssystem der Staatsbeamtenzu stellen. Eben darum aber ging auch die ganze Post-anstalt im römischen Reiche zu Grunde, sobald dieser un-geheuere Staat unter seiner eigenen Last zusammengestürzt war;denn die Unterthanen fühlten kein Bedürfnis, ein Institutzu erhalten, dessen Vortheile ihnen selbst entzogen gebliebenwaren. Von dem Beginn des siebenten Jahrhunderts anbis fast zum Anfang des neunten waren die Postanstaltenso gut, wie verschollen.

Erst Karl der Große rief sie wieder in das Leben; aberauch er bestimmte sie nur für den Endzweck der ordnungs-mäßigen Verwaltung seines großen Reichs, indem er für

*) EapitolinuS, vita pertinacis, «SP. 12.

Vcrgl. die Briefe des jünger« Plinius , X, 121, so wie14 u. 54. Daß diese Strenge gesetzlich vorgeschrieben war, zeigteonst. 11. ll. lle euisn ziuklico (XII, 51).