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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
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stand nach dcm Parnassus vcrsctzt. Wer die erwähn-ten zwei Parteien kennt, wird die Großnmth, wo-mit sie mir den Titel eines Poeten ließen, leichtwürdigen. Die Einen sehen in einem Dichter nichtsAnderes, als einen träumerischen Höfling müßigerIdeale. Die Anderen sehen in dem Dichter garNichts; in ihrer nüchternen Hohlheit findet Poesieauch nicht den dürftigsten Wiedcrklang.

Was ein Dichter eigentlich ist, wollen wirdahingestellt sein lassen. Doch können wir nicht um-hin, über die Begriffe, die man mit dem Worte„Charakter" verbindet, unsere unmaßgebliche Mei-nung auszusprechen.

Was versteht man unter dem Wort „Cha-rakter?"

Charakter hat Derjenige, der in den bestimm-ten Kreisen einer bestimmten Lebcnsanschauung lebtund waltet, sich gleichsam mit derselben identificicrt,und nie in Widerspruch gcräth mit seinem Denkenund Fühlen. Bei ganz ausgezeichneten, über ihrZeitalter hinausragenden Geistern kann daher dieMenge nie wissen, ob sie Charakter haben odernicht, denn die große Menge hat nicht Weitblickgenug, um die Kreise zu überschauen, innerhalb der-selben sich jene hohen Geister bewegen. Ja, indemdie Menge nicht die Grenzen des Wollens und