— 218 -
hcrabeilen und zu frühe, zur unrechten Stunde,das Erlösungswerk unternehmen. Er ist eben keineruhige Schlafmütze. Er ist ein schöner, sehr schlan-ker, aber doch ungeheuer kräftiger Mann; blühendwie die Jugend. Das Leben, das er führt, ist übri-gens sehr einförmig. Den größten Thcil des Mor-gens verbringt er mit den üblichen Gebeten, oderlacht und scherzt mit seinen Dienern, welche ver-kleidete Engel sind und hübsch singen und dieFlöte blasen. Dann lässt er sein langes Haupt-haar kämmen, und man salbt ihn mit Nardcn undbekleidet ihn mit seinem fürstlichen Purpurgcwandc.Den ganzen Nachmittag studiert er die Knbbala.Gegen Abend lässt er seinen alten Kanzler kom-men, der ein verkleideter Engel ist, eben so wiedie vier starken Staatsräthe, die ihn begleiten, ver-kleidete Engel sind. Aus einem großen Buche mussalsdann der Kanzler seinem Herren vorlesen, wasjeden Tag passierte ... Da kommen allerlei Ge-schichten vor, worüber der Messias vergnügt lä-chelt, oder auch missmttthig den Kopf schüttelt . . .Wenn er aber hört, wie man unten sein Volk miss-hgndclt, dann gcräth er in den furchtbarsten Zornund heult, dass die Himmel erzittern . . . Dievier starken Staatsräthe müssen dann den Ergrimm-ten zurückhalten, dass er nicht herabcilc auf die